Jörg Haiders letzte orange Getreue

1. April 2015, 18:08
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Tiefer geht's sicher nicht mehr, jetzt kann's nur noch aufwärtsgehen", macht sich Johanna Trodt-Limpl keine Illusionen über den Ist-Zustand ihrer Partei, deren Chefin sie seit Anfang der Woche ist. Ein Jahr werde sie benötigen, um dem BZÖ wieder eine Struktur zu geben, dann werde sie sehen, ob die "orange Bewegung" allein überlebensfähig ist oder ob sie mit den anderen Kleinparteien Team Stronach und Neos kooperieren werde.

Sie würde jedenfalls "eine klare politische Position" einbringen: rechts der Mitte, konservativ in den Werten, den abendländischen Traditionen und Bräuchen verbunden und dem "leistungsorientierten Mittelstand" verpflichtet.

Dass die Kärntner Landtagsabgeordnete, Jahrgang 1955, das BZÖ wieder in die Höhe bringen kann, daran hegen politische Gegner im Landtags leise Zweifel. Sie sei "eh sehr nett", vermittle aber bisweilen den Eindruck "leichter Überforderung". Ein ehemaliger Sitznachbar formuliert es so: "Es ist nicht möglich, mit ihr zu streiten."

Ja, das stimme schon, sagt Trodt-Limpl, "ich bin eher eine Ruhige". Nur dann, wenn ihr wirklich etwas gegen den Strich gehe, könne sie auch schon mal auf den Tisch hauen. Wie in der Schule. Dort hätten sie ihre Schüler als "strenge, aber gerechte" Lehrerin kennengelernt. "Kinder brauchen Grenzen", sagt die studierte Pädagogin und Mutter zweier erwachsener Kinder. In der Schulverwaltung sorgte sie kurz einmal für Aufregung. 2002 wurde Trodt-Limpl Bezirksschulinspektorin von Wolfsberg, ab 2004 Schulinspektorin für Villach-Stadt, was einigen Wirbel auslöste, zumal die Besetzung des Postens ohne Ausschreibung lief.

Es waren noch Haider-Zeiten. "Jörg Haider zuliebe" sei sie dann 2004 als "Quereinsteigerin" in die Politik gegangen. Obwohl sie zuvor schon Angebote anderer Parteien auf dem Tisch liegen hatte. Politisch habe sie viel von zu Hause mitgenommen, aber eher von väterlicher Seite. Dieser kam aus einer Unternehmerfamilie, einer "Mühlendynastie", die Mutter aus einem SPÖ-Haus.

Für eine Kärntnerin eher ungewöhnlich, bekennt Trodt-Limpl, könne sie bei Kärntnerliedern sogar das Radio abdrehen. "Ich stehe mehr auf Klassik, Kärntnerlieder sind so wehmütig." Schwer tut sich die ehemalige Religionslehrerin mit dem Islam. Sie sei Feministin und könne nicht verstehen, "warum Frauen bei uns Kopftücher tragen". Auch darüber möchte sie als neue BZÖ-Chefin "öffentlich verstärkt diskutieren". (Walter Müller, DER STANDARD, 2.4.2015)

  • Johanna Trodt-Limpl will dem BZÖ wieder auf die Beine helfen.
    foto: apa/eggenberg

    Johanna Trodt-Limpl will dem BZÖ wieder auf die Beine helfen.

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