Berlins Kulturstaatssekretär unter Druck

1. April 2015, 17:58
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Peymann bezeichnet Tim Renner als "die größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts"

Berlin - Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt gerät der neue Berliner Kulturstaatssekretär und frühere Musikmanager Tim Renner (SPD) unter Druck. Theatermacher Claus Peymann nannte den 50-Jährigen am Mittwoch in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) "die größte Fehlbesetzung des Jahrzehnts".

Auch aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und von den Grünen kam Kritik. Renner selbst wies die Vorwürfe zurück. Peymann scheine als scheidender Intendant nur noch bedingt für Änderungen und Neuerungen offen zu sein, erklärte der Staatssekretär.

Auslöser sind angebliche Pläne des SPD-Politikers, den Direktor der Londoner Tate Gallery, Chris Dercon, zum Nachfolger des noch bis 2017 amtierenden Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf zu machen. Peymann kritisierte, Renner wolle die einst so ruhmreiche Volksbühne zum "soundsovielten Event-Schuppen" der Stadt machen.

"Mir bricht buchstäblich der Angstschweiß aus, wenn ich mir vorstelle, was dieser unerfahrene und in dieser Position völlig überforderte Mann bereits angerichtet hat - und was uns noch erwartet", schrieb Peymann. Er ließ den Brief per Boten ins Rote Rathaus bringen und gab ihn gleichzeitig an die Presse weiter.

Renner warf ihm im Gegenzug vor, sich "an der Verbreitung von Spekulationen und Gerüchten" zu beteiligen. Tatsächlich hat der SPD-Politiker sich bisher nicht zu einer möglichen Berufung des Londoner Museumsmanagers geäußert, sondern lediglich erklärt, es sei an der Zeit, die Volksbühne "weiterzuentwickeln".

Grütters' Sprecher Hagen Philipp Wolf forderte einen "verantwortlichen" Umgang mit dem Theater und warnte davor, Doppelstrukturen bei den Berliner Kultureinrichtungen zu schaffen. "Außerhalb von Berlin könnte dann die berechtigte Frage entstehen, ob das hohe (finanzielle) Engagement des Bundes noch vertretbar ist", warnte Wolf.

Die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert erklärte: "Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich mit Herrn Peymann eine nahezu 100-prozentige Übereinstimmung erziele, aber ich muss sagen: Er hat recht. Und ich hoffe, dass der Regierende Bürgermeister und Kultursenator möglichst bald sein Gesprächsangebot annimmt."

Peymann hatte in seinem Brief auch Müller kritisiert. Er warf ihm vor, seit Dezember nicht auf den Vorschlag reagiert zu haben, gemeinsam über die Zukunft der Theater zu sprechen. "Vielleicht darf ich Sie daran erinnern, dass Sie als amtierender Kultursenator für die Agenda der Berliner Kulturpolitik verantwortlich sind", schreibt Peymann an Müller. "Stattdessen überlassen Sie das Feld Ihrem Kulturstaatssekretär, der bisher noch kein Fettnäpfchen ausgelassen hat." (APA, 1.4.2015)

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