Machtwechsel in Nigeria: Weiter Weg zum Wandel

Kommentar1. April 2015, 17:54
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Der muslimische Präsident wird einen Ausgleich schaffen müssen

Goodluck Jonathan darf stolz sein. Nicht auf seine Niederlage bei Nigerias Präsidentschaftswahl und nur auf sehr wenige Erfolge seiner Amtszeit. Aber zumindest der Abschied ist ihm gelungen. Seine Niederlage gestand er schon vor der Verkündung des Endergebnisses ein. Ambitionen seien niemals Blut wert, sagte er. Seine Partei, die PDP, solle nicht trauern. Immerhin vererbe man dem Land Freiheiten und ein faireres Wahlsystem.

Das stimmt, ist aber nicht Jonathan zu verdanken, sondern vor allem Nigerias wacher Zivilgesellschaft. Es ist zu hoffen, dass diese von der Wahleuphorie nicht gebremst wird. Wie einst Jonathan, der nach dem Tod seines Vorgängers Umaru Yar'Adua ins Amt kam, gilt Buhari als Figur, die außerhalb des korrupten Systems steht. Er soll nun aufräumen. Wie bei Jonathan ist dieser Eindruck falsch. Hinter beiden stehen mächtige Interessengruppen.

Zudem muss der Exdiktator beweisen, dass sein Wandel zum Demokraten auch dann hält, wenn er komplizierte Probleme lösen muss. Damit der aktuell militärische Siegeszug gegen Boko Haram auch gesellschaftlich gelingt, wird der muslimische Präsident einen Ausgleich schaffen müssen: mehr wirtschaftliche Möglichkeiten für den Norden, ohne den christlichen Süden zu vergrätzen.

Die religiös-ethnische Spaltung hat die Wahl nicht überwunden. Buhari gewann nicht durch Zuspruch christlicher Wähler, sondern durch deren Enthaltung. Sollte es einmal anders sein, dürfte man echten Wandel bejubeln. (Manuel Escher, DER STANDARD, 2.4.2015)

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