Ehemaliger Luhansker "Verteidigungsminister" braucht Verteidiger

1. April 2015, 17:38
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Zwei "Exminister" der "Luhansker Volksrepublik" in der Ostukraine wurden festgenommen

Kiew/Moskau - Überraschend gleichgerichtetes Handeln beim russischen und ukrainischen Geheimdienst: In St. Petersburg wurde der Exverteidigungsminister der "Luhansker Volksrepublik" (LVR), Oleg Bugrow, vom Geheimdienst FSB verhaftet. In der ostukrainischen Stadt Lissitschansk ergriff die Spionageabwehr des ukrainischen Geheimdiensts SBU den ehemaligen Kohle- und Energieminister der LVR, Sergej Baranow.

Die Verhaftung Baranows vermeldete der SBU auf seiner Webseite, ohne den Namen zu nennen, als "Bürger, der aus den von Separatisten gehaltenen Gebieten geflohen ist und sich in einem illegal von ihm privatisierten ehemaligen Kindergarten versteckte, wo er sich einen eigenen Landsitz einrichtete".

Baranow war bereits an der ersten Separatistenregierung in der Region beteiligt, musste aber im August nach dem Rücktritt des aus Russland stammenden "Premiers" Marat Baschirow ebenfalls seinen Posten räumen. Dem 56-Jährigen droht wegen Beteiligung an einer terroristischen Organisation, als die die LVR in der Ukraine eingestuft ist, eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

Zudem wird ihm vorgeworfen, sich an der Ausbeutung der ukrainischen Kohleschächte in der Region beteiligt zu haben. Alle Einnahmen seien dabei in den Taschen der Milizenführer versickert. Unternehmer und Direktoren, die sich geweigert hätten, dabei mitzumachen, seien mit physischer Gewalt eingeschüchtert oder vor die Tür gesetzt worden, sagte ein SBU-Sprecher.

Minister schaut in die Röhre

Juristische Unannehmlichkeiten drohen auch dem in St. Petersburg für einen Monat in Untersuchungshaft genommenen Bugrow. Er soll in eine Betrugsaffäre um Röhrenlieferungen an die Ölpipelinegesellschaft Ust-Luga Oil verwickelt sein. Der Verlust soll sich auf "einige Milliarden Rubel" beziffern. Welche Rolle Bugrow in dem Fall spielt, ist bisher noch unbekannt.

Ust-Luga Oil gehört zum Businessimperium des russischen Milliardärs Gennadi Timtschenko, der wie Bugrow selbst auf den Sanktionslisten des Westens steht. Die geschäftlichen Verbindungen des Putin-nahen Oligarchen zu einem Hardliner im Ukraine-Konflikt sind pikant angesichts der offiziellen Haltung des Kremls, dass Russland keine Partei des Konflikts sei.

Bugrow, gebürtiger Ukrainer, hatte laut Medienberichten nach seiner Entlassung wegen Amtsmissbrauchs aus der Polizeisondereinheit "Berkut" eine Zeitlang in Russland gearbeitet, ehe er in das Donbass-Gebiet zurückkehrte und dort zum Milizenführer aufstieg.

Seit August 2014 leitete er das "Verteidigungsministerium" der LVR, das er nach einem Konflikt mit "Premier" Igor Plotnizki im Winter aufgeben musste. Der Streit soll um Bugrows Weigerung entstanden sein, den (im Herbst) in Minsk ausgehandelten Waffenstillstandsvertrag einzuhalten. Bugrow kehrte nach dem Konflikt nach Russland zurück. (André Ballin, DER STANDARD, 2.4.2015)

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