TV-Sender der Krimtataren muss Betrieb einstellen

1. April 2015, 17:25
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Russische Behörden erteilen ATR keine Lizenz

Simferopol - Der TV-Sender der tatarischen Minderheit auf der von Russland annektierten ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim hat seinen Betrieb eingestellt. "Um Mitternacht haben wir aufgehört zu senden", sagte die stellvertretende Chefin des Senders ATR, Lilja Budschurowa, am Mittwoch einer Nachrichtenagentur.

Die russische Medienaufsicht erteilt TV- und Radiosendern der Krimtataren keine Zulassung mehr. Die Moskau-treuen Behörden auf der 2014 annektierten Krim beschuldigten ATR des "Extremismus"; der Sender hetze die Tataren auf der Krim gegen die Regierung auf.

Vor der Zentrale der Rundfunkanstalt in Simferopol versammelten sich am Mittwoch bis zu 200 Mitarbeiter, um gegen die Schließung zu protestieren. "Die Leute sind furchtbar enttäuscht", sagte Budschurowa, die auch als AFP-Korrespondentin arbeitet. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verurteilte das erzwungene Aus für den Sender. "Ihr könnt den Sender schließen, aber ihr könnt nicht die Krimtataren davon abhalten, nach der Freiheit und der Wahrheit zu streben", schrieb der Staatschef im Onlinedienst Twitter.

Amnesty International kritisiert den Druck der Behörden auf unabhängige Medien auf der Krim. Denis Krivosheev von Amnesty sprach von einem "eklatanten Angriff" auf die Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen protestierte gegen Angriffe und Repressionen auf Medien und Journalisten. Seit März 2014 laufen statt ukrainischer nur noch russische Sender im Kabel. (APA/red, derstandard.at, 1.4.2015)

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