Effizient trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Kommentar der anderen1. April 2015, 17:33
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Die Universitäten erfüllten heute wesentlich mehr Aufgaben als vor zehn Jahren, meint der Rektor der WU. Und das, obwohl ihnen die Politik nie echte Autonomie - und die dafür notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - gewährt habe

In Zeiten knapper Budgets werden Effizienzsteigerungen für den öffentlichen Sektor eingefordert; dies schließt auch Universitäten ein. Das ist legitim. Vor allem seitens der Finanzverantwortlichen in Zusammenhang mit der Erarbeitung der Leistungsvereinbarungen zwischen Universitäten und Ministerium werden diese Forderungen immer wieder laut. So auch heuer: Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" verdeckt der Vorwurf, die Unis müssten "effizienter" werden, die für Österreich wahrlich peinliche Ausgangssituation: die chronische Unterfinanzierung der österreichischen Universitäten und den geringen Stellenwert, den Wissenschaft und Forschung in diesem Lande besitzen.

Das Universitätsgesetz 2002 ist mehr als zehn Jahre in Kraft. Da vergisst man die unbestreitbaren Erfolge, die die Unis in diesem Jahrzehnt erreicht haben. Vergessen sind Zeiten, in denen der Wissenschaftsminister persönlich über die Zuweisung einer Schreibmaschine entschied oder mehrköpfige interministerielle Delegationen die Bewertung einer Institutssekretariatsstelle vornahmen. Unvorstellbar ist es auch, dass Studienpläne weitgehend im Parlament beschlossen wurden.

Der Blick zurück zeigt, dass Universitäten wesentlich leistungsfähiger geworden sind. Auch die internationalen Erfahrungen belegen, dass die Autonomie die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unis ist. Dies sollten sich all jene politischen Akteure merken, die heute an deren Autonomie sägen.

Die Unis erfüllen heute wesentlich mehr Aufgaben als vor zehn oder 15 Jahren. Diesen Fortschritt sollten ihnen andere Bereiche des öffentlichen Sektors erst einmal nachmachen. Viele Agenden, die davor im Ministerium erledigt wurden, sind heute den Universitäten übertragen. Dazu gehören das professionelle Rechnungswesen sowie die weitgehend selbstständige Verwendung der (Global-)Budgets; die Übertragung der Personalagenden einschließlich des Abschlusses und der Implementierung eines Kollektivvertrags. Der Aufbau einer systematischen strategischen Planung samt modernem Berichtswesen oder eine selbstständigere Bewirtschaftung der Infrastruktur. In der genuin akademischen Sphäre sind die Erstellung der Studienpläne oder die unabhängige Durchführung von Berufungsverfahren einschließlich der "Dual Career"-Thematik zu erwähnen.

Das neue Selbstverständnis der Universitäten führte zu einer Erweiterung des Aufgabenkatalogs. Dazu zählen der massive Ausbau der Internationalisierung, die Etablierung von Weiterbildungsaktivitäten, die Beratung der Studierenden durch die Universität selbst, die Unterstützung der Absolventen beim Übertritt in den Arbeitsmarkt, die Alumni-Arbeit, ein massiver Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich Fundraising und Kooperationen mit der Wirtschaft, oder der Ausbau der Forschungsförderung, auch auf EU-Ebene. Dazu kommen die Implikationen des Bologna-Systems, womit nicht nur die Zahl der Studierenden, sondern auch jene der Studien(richtungen) deutlich anstieg.

Nachhaltig negativ

All dies ist eine Erfolgsgeschichte der österreichischen Unis - und nur die Autonomie hat die Bewältigung dieser Aufgaben bei nur langsam wachsenden Budgets möglich gemacht. Andererseits sind da die politischen Fehler, die mit der Reform 2002 gemacht wurden, und die im negativen Sinn "nachhaltig" wirken.

Die Autonomie hätte von einer ausreichenden finanziellen Grundausstattung der Unis begleitet werden müssen. Zur echten Autonomie hätte auch das Recht der Unis gehört, die Studierenden selbst auszusuchen und damit den Zugang zu regeln. Derzeit ist es möglich, weitgehend gratis beliebig lang zu studieren. Zusätzlich kann jede/r beliebig viele Studien gleichzeitig belegen. Autonome öffentliche Unis sollten innerhalb eines von der Hochschulpolitik gesteckten strategischen Rahmens agieren, zu dem zuallererst die Definition von Ausbildungskapazitäten und die leistungsorientierte Budgetzuweisung an die Unis gehören.

Ein weiteres Beispiel für festgeschriebene Ineffizienz stellt das Medientransparenzgesetz dar: Auch für Unis gilt, dass mit großem Aufwand jede noch so kleine Kooperation mit einer Zeitung penibel berichtet werden muss.

Diese Liste ließe sich verlängern. Es wird Zeit, sie endlich zu verkürzen. Dass dies bis heute nicht geschehen ist, mindert nicht nur den Erfolg der Unis. Es ist ein Armutszeugnis der Politik, die mehr als zehn Jahre lang nicht imstande war, die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um den österreichischen Unis wirklich zum Status der "Weltklasseuniversitäten" zu verhelfen. (Christoph Badelt, DER STANDARD, 2.4.2015)

Christoph Badelt ist seit 2002 Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien.

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