Audi R8: Fragen? Antworten!

11. April 2015, 09:00
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In der Supersportwagenszene ist Audi ein junger Akteur. Doch Kundschaft wie Fachwelt bescheinigen den Ingolstädtern, gleich alles richtig gemacht zu haben. Nun ist es Zeit für die Neuauflage des R8

Erst saugen wir die Luft tief ein. Dann stoßen wir sie aus. Nicht mit meditativem Om, sondern mit rollendem R, beim Hochdrehen mit brüllendem Rrrroarrr. Oder suRRRend. Das wäre dann das Klangbild im e-tron-R8, der elektrisch angetriebenen Version mit einer avisierten Reichweite von - doch halt, riskieren wir erst einmal eine Rückblende.

Das rollende R ist in gewisser Weise eine phonetische Verbindungsstelle von Italien und Bayern. Im Italienischen ist es ein Erbe der Langobarden, bekanntlich enge Verwandte der häufig unter Stierwaschergeneralverdacht stehenden Weiß-Blauen, die neben ihrem heimatlichen bayerischen Idiom vielfältige Formen von Eigensinn pflegen. Dazu zählt beispielsweise dieser denkwürdige Umstand, dass die Marke mit vier Ringen, noch vor 30 Jahren eher übel beleumundet und mit Vertreterimage behaftet, plötzlich auf die Idee kommt, einen Supersportwagen auf die Räder zu stellen. Hier kommt sogleich Italien ins Spiel, erstens als eines von drei Vaterländern dieser maximal emotionalen Fahrzeugkategorie (das zweite heißt bekanntlich England, das dritte Porsche), zweitens wegen Lamborghini.

Volltreffer

Bevor die ob etlicher genialer Designwürfe (Miura, Countach) berühmte Brachial- und Krawallomarke pleiteging, kaufte sie Audi auf, seit 1998 gehört die Firma den Ingolstädtern. Die Bayern möbelten den Laden 1.) technisch und qualitativ auf und holten sich 2.) das nötige Hintergrundwissen zum Automobilbau in Flunderform. Ergebnis war der erste R8, der 2006 als Coupé debütierte und Fachwelt sowie Reich und Schön gleichermaßen entzückte. Der Wagen in Alu-Spaceframe-Bauweise, Spezialität des Hauses, war ein Volltreffer, und das mit dem ersten Schuss. Was man nicht so laut sagte damals, Kundige aber ohnehin wussten: Der R8 war ein Bruder des Gallardo, des ersten unter Audi-Ägide entstandenen Lamborghinis, mit dem die Renaissance der Italo-Marke eingeleitet ward.

Ein Erfolgsrezept, das sich beim neuen R8 wiederholt: 2014 wurde der Gallardo vom Huracán abgelöst, heuer im Herbst folgt die Audi-Interpretation zum Thema, und übrigens werden die Karosserien für beide Fahrzeuge weiterhin bei Audi in Neckarsulm gefertigt, aber statt Alu-Spaceframe handelt es sich jetzt um ein "Hybrid-Chassis" aus Aluminium und Kohlefaser, wodurch das Topmodell, der R8 V10 plus, nun statt 1595 nur noch 1454 kg im FKK-Zustand, also nackert, auf die Waage bringt - bei gleichzeitig um 40 Prozent verbesserter Torsionssteifigkeit. Audi beansprucht hier Benchmark-Status im Konkurrenzumfeld.

Außen ist der R8 sofort als solcher wiedererkennbar, man könnte auch sagen: Da hat fast schon zu wenig Veränderung stattgefunden. Innen drin wird der Kundschaft das neuartige Virtual Cockpit ins Auge springen (erstmals im Huracán und Audi TT eingeführt), wo man sich durch die einzelnen Anzeigemodi zappen kann, was erstaunlich intuitiv funktioniert. Und wer G-süchtig ist, kann sich im Performance-Modus Infos über Beschleunigungs-, Verzögerungs- und Querbeschleunigungskräfte einspielen lassen. Damit bei all der Macht und Kraft und Herrlichkeit niemand die Maschine überdreht, entfesselt Audi ein kleines Gewitter: Ein Schaltblitz signalisiert das Erreichen der Drehzahlgrenze. Donner gibt's auch, nämlich Tage des Donners, am Rundkurs zum Beispiel, denn wo sonst sollte man so ein Auto artgerecht ausführen.

Katapult auf Rädern

Apropos Antrieb: 5,2-Liter-V10. Sauger, versteht sich. Sollen die anderen doch ihr Turbo-Ding machen. Audi nicht. Hier nicht. Die Maschine gibt's in zwei Leistungsstufen, einmal als R8 V10 mit 540 PS (Kostenpunkt: ab 218.900 €), einmal als R8 V10 plus mit 610 (ab 241.500 €), Letzterer katapultiert einen in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h, danach geht es zügig weiter bis 330 km/h, und die Erdumlaufbahn verlassen wir bei - nein, halt, falsch, anderer Film.

Im richtigen Film bleiben wir mit dem R8 e-tron. Nicht Tron mit Jeff Bridges als Hauptdarsteller, sonder e-tron mit Elektroantrieb, und damit sind wir finalmente wieder beim surrenden R gelandet: Dem Vernehmen nach soll es bei Erscheinen des Tesla Model S 2012 Schelte von VW-Konzernchef Martin Winterkorn gegeben haben: "So ein Auto, Dam- und Herrschaften, hätte ich von Audi erwartet!" Bitte schön, hier ist es. Dank neuer Batterientechnologie (Kapazität: ca. 92 kWh) sollen sich über 450 km Reichweite ausgehen. 460 PS, 920 Nm und ein Spurt von 0-100 km/h in 3,9 Sekunden weisen auch den e-tron als Hochleistungssportgerät aus - und als adäquate Antwort auf Tesla. (Andreas Stockinger, DER STANDARD Rondomobil, 11.4.2015)

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Audi

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Audis Antwort auf Ferrari und Co: Der R8 ist ein reinrassiger Supersportwagen.  Als R8 V10 plus leistet er 610 PS und sich keine Schwächen. Außerdem: Sauger  statt Turbo.
    foto: audi

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  • Audis Antwort auf Tesla: Die Elektro-Version R8 e-tron leistet 460 PS und hat  laut Hersteller eine Reichweite von mehr als 450 km. ...
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  • ... Kommt heuer noch in Kleinserie.
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