Spitzenarien für einen guten Zweck

1. April 2015, 17:02
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Tenor Johan Botha über Nelson Mandela und ein Benefizkonzert zu dessen Ehren

Wien - Ab Donnerstag ist er Parsifal an der Wiener Staatsoper. Und nebst vielen anderen globalen Jobs wird Tenor Johan Botha auch bei den kommenden Osterfestspielen in Salzburg in Verdis Otello zu hören sein. Der aus Südafrika stammende Sänger ist also aktiv und eine Klasse für sich, in Wien jedoch selten mit Konzerten zu erleben.

Am 20. April gibt es im Konzerthaus nun allerdings eine besondere Gelegenheit: Zusammen mit dem Wiener Kammerorchester (unter Stefan Vladar) und der südafrikanischen Sängerin Pretty Yende singt sich Botha durch Opern- und Operettenklassiker.

Arien von Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini, Giacomo Puccini, Franz Lehár und Johann Strauß dienen hier auch einem guten Zweck. Mit dieser Veranstaltung feiert man Südafrikas zwanzigjähriges Demokratiejubiläum. Folglich ist das Konzert dem ersten demokratisch gewählten Präsidenten, Nelson Mandela, gewidmet. Und: Die eingespielte Summe soll der Errichtung des Nelson-Mandela-Kinderkrankenhauses in Johannesburg zugutekommen.

Johan Botha wirkt dabei natürlich gerne mit: "Es ist ja traurig. In ganz Afrika gibt es tatsächlich nur fünf Kinderspitäler. Wir wollen mithelfen, dass dieses errichtet wird. Wenn die Veranstaltung gut ankommt, kann das Konzert jährlich wiederholt werden. Dann können wir auch andere Sänger aus Südafrika holen. An dem Spital wird übrigens schon gebaut."

Selbiges wäre quasi Mandelas letzter Wunsch gewesen. Und es war der Wunsch einer Person, die Johan Botha bewundert. "Wissen Sie, er war ein Mensch, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, ein Mensch also, der damals hätte sagen können: ,Wir fangen jetzt einen Krieg an!' Nelson Mandela hat jedoch das Gegenteil getan. Er hat auf Vergebung gesetzt, hat dazu aufgerufen, gemeinsam eine Nation zu bilden. Deswegen schätzen und verehren wir ihn - das ist sein Vermächtnis."

Chorist in Bayreuth

Als Mandela 1990 aus dem Gefängnis entlassen wurde, war Botha, der schon mit fünf den Wunsch gehegt hatte, Opernsänger zu werden, gerade in Bayreuth engagiert. Im Chor allerdings. "Ach, na ja, es gibt viele Solisten in Bayreuth im Chor. Für mich war das ein Sprungbrett, wobei ich am Anfang überhaupt Glück hatte: Man wollte Richard Wagners Lohengrin in Südafrika aufführen und brauchte einen großen Männerchor. Der Chor in Pretoria bestand aus nur 40 Leute, aber sie brauchten 100. So hat mich Chorleiter Norbert Balatsch entdeckt und nach Europa geholt."

Nach Bayreuth ging es zu diversen Vorsingen und zu Engagements ans Stadttheater Hagen, ans Opernhaus Dortmund und an die Oper Bonn. Es folgte eine heldentenorale Weltkarriere - erstaunlich klingt angesichts Bothas klarer und durchdringender Stimme seine Schilderungen zur Stimmverwandlung. "Ich war in der Jugend ein hoher Sopran, nach dem Stimmbruch tatsächlich ein Bassbariton. Erst während des Studiums habe ich mich zum Tenor hinentwickelt."

200 Betten geplant

Ja, Botha lebt seinen Traum. "Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich singen und auf Bühne stehen kann." Dazu gehört allerdings auch, praktisch keine Interviews zu geben. Und falls er doch spricht, wie zurzeit, da ihm das Thema ein Anliegen ist, will er sich kein Wort über Kollegen entlocken lassen. Zu viele Missverständnisse gab es da. Viel wichtiger ist ohnedies dieses Spitalsprojekt, sagt Botha "Es geht um eine Kapazität von 200 Betten", das voranzutreiben sei wichtig - und natürlich mit den besten vokalen Mitteln. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 2.4.2015)

20. April, Wiener Konzerthaus, Benefizkonzert Nelson-Mandela-Klinik mit dem Wiener Kammerorchester, Johan Botha, Pretty Yende und Stefan Vladar, 20.00

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  • Johan Botha sammelt singend Geld für ein Kinderspital.
    foto: cremer

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