Kinderpsychiatrie: "Bedarf immer noch größer als Angebot"

1. April 2015, 16:56
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Erste Kassenstellen für Kinderpsychiatrie eröffnet

Wien - Acht Jahre haben die Verhandlungen gedauert. Seit 2007 gibt es in Österreich den Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, aber erst jetzt sind in Wien die ersten Kassenordinationen eröffnet worden.

Das Child Care Center Alsergrund kann sich nicht über mangelndes Interesse beschweren. Laut der Kinderpsychiaterin Birgit Weigl-Vlastos seien sie im ganzen April ausgebucht. Ihr Kollege Wilhelm Tenner bestätigt dem STANDARD: "Der Bedarf ist immer noch größer als das Angebot." Beide sind eigentlich Kinderärzte mit Zusatzqualifikation Psychiatrie. Sie verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und wollen sich ausreichend Zeit nehmen, ein Kind psychisch, sozial und medizinisch zu untersuchen.

Der Ansturm für ihre Ordination überrascht sie nicht. Das war zu erwarten, da bis zu 30 Prozent aller Kinder unter emotionalen oder psychischen Störungen leiden, erklärt Tenner. Das müssen aber nicht gleich psychiatrische Erkrankungen seien, sondern das Spektrum reiche von Schulangst über innerfamiliäre Probleme bis hin zu unentdeckten Epilepsien.

Sechs Ordinationen sind in Wien geplant. Auch Eltern, die bisher die Behandlung ihrer Kinder privat gezahlt haben, können bei der Gebietskrankenkasse eine Rückerstattung beantragen. Bisher gab es in Wien 14 Wahlärzte für Kinder und Jugendliche und diverse Ambulanzen, die aber dem Ansturm nicht gerecht werden konnten. Laut Ärztekammer ist die Etablierung der psychiatrischen Versorgung bisher am Widerstand der Gebietskrankenkasse gescheitert. Man konnte sich nicht auf ein Tarifmodell einigen. Auch wenn das ein erster Schritt in Richtung besserer und zielgerichteter Versorgung ist, müssen Patienten Schätzungen zufolge bald mit bis zu drei Monaten Wartezeit für einen Termin rechnen. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 2.4.2015)

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