Schneller Einkauf auf Pump auf Vormarsch

1. April 2015, 17:34
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Immer mehr Kunden stottern ihren Flachbildfernseher, Tablets und Smartphones auf Raten ab. Konsumentenschützer warnen

Wien - Elektrogeräte, Möbel, Baumarktware - Konsumenten finanzieren sich Dinge des täglichen Bedarfs zusehends auf Pump. Und geht es nach Santander, stottern sie bald auch Rechnungen für Urlaube, Strom oder Zahnärzte in Raten ab. Das Bankhaus hat das Geschäft mit der Teilzahlung fest in der Hand. Bis auf den Einrichtungsriesen Ikea, der dafür eine eigene Servicebank betreibt, nutzen nahezu alle österreichischen Handelsketten den spanischen Konzern als Financier ihrer Kunden. Im Vorjahr hat er 135.000 Verträge über meistens nur kleine Konsumkredite verwaltet - um 32.000 mehr als vor drei Jahren, rechnet Santander-Österreich-Chef Olaf Peter Poenisch vor. Sein Geschäftsvolumen in der Sparte wuchs zugleich um 35 auf 147 Millionen Euro.

Reiz für den Handel

Für den Handel hat das Geschäft auf Raten durchaus Reiz. Kunden leisten sich Güter, auf die sie ohne die Verlockung der späteren Bezahlung wohl eher verzichtet hätten. Umso mehr, da mit zinsenfreien Krediten geworben wird. Santander lässt sich den Arbeitsaufwand vom Handel bezahlen, der im Gegenzug von Rabatten absieht. Zudem gewinnt die Bank Kunden für Finanzierungen, die für sie mehr Profit abwerfen.

Im Geschäft ist man mit Santander ab Ausgaben von 125 Euro. Im Schnitt geht es um Beträge von 1100 Euro mit einer Laufzeit von 22 Monaten, sagt Poenisch. 40 Prozent der Teilzahler seien zwischen 26 und 40 Jahre alt. Die Hälfte verdiene monatlich netto zwischen 1300 und 1600 Euro. 28 Prozent müssten mit weniger als 1300 Euro auskommen. Die Krankenschwester nutze die Ratenzahlung ebenso wie der Arzt, versichert der Konzernchef. Der Anteil der Fälle, bei denen die Rückzahlung nicht bewältigt werde, bewege sich im Promillebereich.

Auf einen harten Gegner stößt Santander freilich bei Konsumentenschützern. Ihnen sind vor allem sogenannte Nullprozentfinanzierungen Dorn im Auge. Diese machen 80 Prozent der Teilzahlungen der Bank aus.

Nach Problemen habe man die "unechte" Variante davon, die versteckte Nebenkosten birgt, vor zwei, drei Jahren aus dem Programm genommen, sagt Poenisch. "Seither heißt null null." Klaus Schreiner vom Verein für Konsumenteninformation kann das auf STANDARD-Anfrage nicht bestätigen und beruft sich auf eine aktuelle Studie im Auftrag der Arbeiterkammer, bei der große Handelsketten darauf abgeklopft wurden.

Zweifel am billigen Geld

So würden nach wie vor kaum oder nicht ausgewiesene zusätzliche Gebühren anfallen, die den Effektivzinssatz oft auf acht bis mehr als 20 Prozent schnalzen ließen, sagt er. Die Causa mündete im Vorjahr in einer Sammelklage, angesichts der sich Santander letztlich aber kooperativ gezeigt habe.

Für Schreiner zieht der Kauf auf Pump vor allem jene an, die sich gewisse Konsumgüter sonst nicht leisten könnten. Anders als bei Santander, wo betont wird, Kunden ob ihrer Finanzkraft penibel zu screenen, zweifelt er an ausreichender Bonitätsprüfung. Der Bedarf an Kleinkrediten steigt vor allem in Zeiten schlechter Konjunktur, sagt Schuldnerberater Hans Grohs, der das billige Geld ebenso infrage stellt.

Früher habe man beim Greißler anschreiben lassen, nun ließen sich die Leute angesichts unbürokratischer Ratenzahlung von schnellen größeren Wünschen treiben. Wer hohe Summen für langlebige Güter ausgebe, habe letztlich unter dem Strich weniger Mehrkosten als jemand, der sich mit seinem geringen Einkommen nur kleine Dinge leisten wolle, ist Grohs überzeugt. "Hier entsteht ein deutliches Missverhältnis." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 2.4.2015)

  • Heute mit dem Smartphone telefonieren oder fotografieren, irgendwann zahlen. Der Elektrohandel hält Konsumkredite hoch.
    foto: reuters/steve marcus

    Heute mit dem Smartphone telefonieren oder fotografieren, irgendwann zahlen. Der Elektrohandel hält Konsumkredite hoch.

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