BZÖ-Chefin: "Verstehe nicht, warum Frauen verschleiert herumlaufen"

Interview1. April 2015, 14:44
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Johanna Trodt-Limpl hätte nichts dagegen, mit Team Stronach und Neos eine gemeinsame bürgerliche Partei zu gründen

STANDARD: Das BZÖ liegt in Umfragen unter der Wahrnehmungsgrenze. Was macht Sie so zuversichtlich, dass aus dem BZÖ noch einmal etwas werden könnte?

Trodt-Limpl: Es stimmt, tiefer geht es nicht mehr. Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen. Es sind jetzt ein paar sehr dynamische, engagierte Leute dabei, die etwas einbringen wollen. Das macht mich durchaus zuversichtlich.

STANDARD: Warum sollte Österreich das BZÖ brauchen?

Trodt-Limpl: Ich finde, das Wählerpotenzial wäre da. Es gibt genügend Wählerschaft im bürgerlichen Lager.

STANDARD: Aber da tummeln sich neben ÖVP und FPÖ auch noch andere Kleinparteien wie das Team Stronach und am liberalen Ende die Neos.

Trodt-Limpl: Stimmt. So gesehen wäre es natürlich am gescheitesten, wenn sich die besten Köpfe der kleinen Parteien zusammentun und gemeinsam Zukunftskonzepte ausarbeiten.

STANDARD: Sie glauben, eine gemeinsame Partei mit dem Team Stronach und den Neos würde Sinn machen?

Trodt-Limpl: Das wäre durchaus ein Denkmodell. Es muss ja nicht gleich eine Verschmelzung sein, man könnte auch in einer Plattform zusammenarbeiten.

STANDARD: Gibt es schon Gespräche mit dem Team Stronach und den Neos über eine gemeinsame bürgerliche Partei?

Trodt-Limpl: Ja, es gab schon Annäherungen und lose Gespräche, aber wir sind noch lange nicht so weit. Es gibt ja in jeder der drei Parteien jede Menge Freigeister, die ihren eigenen Willen durchsetzen wollen. Da muss zuerst eine Teamfähigkeit her. Für mich geht es jetzt aber vorerst ohnehin darum, eine neue Struktur im BZÖ aufzubauen. Dazu brauche ich sicher ein Jahr. Dann werden wir sehen, ob wir es allein probieren oder eine Kooperation suchen. Man darf auch nicht vergessen: Ein paar Prozent holt das BZÖ bei Wahlen immer noch, Prozente, die anderen Parteien abgehen werden.

STANDARD: Könne Sie kurz erklären, wofür das BZÖ eigentlich steht?

Trodt-Limpl: Das BZÖ steht für den leistungsorientierten Mittelstand, für Jungunternehmer, für alle, die arbeiten und gerecht entlohnt werden wollen.

STANDARD: Das wollen ÖVP und FPÖ und all die anderen auch.

Trodt-Limpl: Ja, aber die ÖVP ist eher für die Großindustrie da, und die FPÖ hat noch immer ihren extrem rechten Rand. Um Himmels willen, mit diesen Nazisachen wollen wir nichts zu tun haben.

STANDARD: Sie sind auf Sponsorensuche. Warum sollten sich Unternehmer das antun und in die hochspekulative Aktie BZÖ investieren?

Trodt-Limpl: (denkt länger nach) Das ist eine berechtigte Frage. Das müssen wir noch genau durchdenken. Es geht einfach darum, dass wir bitten werden, leistungsorientierte und selbstkritische Menschen zu unterstützten.

STANDARD: Sollte die Pegida in Klagenfurt einen Spaziergang planen, werden Sie mitgehen?

Trodt-Limpl: Nein, da würde ich nicht mitgehen, auch wegen der Gegendemonstrationen, da sind ja bezahlte Krawallierer dabei.

STANDARD: Das heißt, von den Inhalten her haben sie mit den "Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes" weniger ein Problem?

Trodt-Limpl: Das Thema Islam ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich bin ja für eine strikte Trennung von Politik und Religion. Ich bin durchaus eine Feministin und verstehe auch nicht, warum Frauen bei uns verschleiert herumlaufen. Warum lassen sie sich unterdrücken? Ich meine, wenn sie es unbedingt tun wollen, sollen sie es tun, andere haben halt Tattoos oder Piercings. Ich bin ja liberal.

STANDARD: Soll das Kopftuch im öffentlichen Raum, und bezogen auf Ihren Beruf als Pädagogin, in der Schule verboten werden?

Trodt-Limpl: Beim Kopftuch in der Schule habe ich wirklich ein Problem – egal ob bei einer Lehrerin oder einer Schülerin. Das eine ist, dass die Schülerinnen ja auch herumtoben wollen, sie wollen schwimmen und Bewegung machen, da ist das Kopftuch natürlich hinderlich. Aber es geht auch um unsere christlichen Werte und Bräuche. Die gehen eh schon verloren, und das beobachte ich mit großer Sorge. Ein Verbot des Kopftuchs ist sicher schwer. Wir müssen uns mit dem ganzen Thema aber endlich auseinandersetzen. Eines muss klar sein: Die Regeln stellen wir auf.

STANDARD: Themenwechsel: Können Sie ausschließen, dass das BZÖ irgendwelche Gelder im Zusammenhang mit der Hypo oder dem Seenverkauf bekommen hat?

Trodt-Limpl: In unseren Büchern gibt es keinerlei Hinweise. Wir haben uns ja auch 2010 neu gegründet. Das Ganze trifft nur die alte FPK. In unserer Kassa sind 5.000 Euro. Die haben wir auf der Kante. Und keine Schulden. (Walter Müller, derStandard.at, 1.4.2015)

Johanna Trodt-Limpl (59) ist designierte Chefin des BZÖ. Die Pädagogin arbeitet hauptberuflich als Schulinspektorin. Sie war früher bei der FPÖ und sitzt seit 2013 als BZÖ-Abgeordnete im Kärntner Landtag.

  • Johanna Trodt-Limpl, neue Zukunftshoffnung des BZÖ.
    foto: apa/eggenberger

    Johanna Trodt-Limpl, neue Zukunftshoffnung des BZÖ.

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