Jemen: Mindestens 37 Tote bei Beschuss von Molkerei

1. April 2015, 16:10
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Etwa 80 Menschen bei Angriff verletzt - Immer mehr Luftattacken der arabischen Militärkoalition

Aden - Beim Beschuss einer Molkerei sind im Westen des Jemen nach amtlichen Angaben mindestens 37 Zivilisten getötet worden. Etwa 80 weitere Menschen wurden bei dem Angriff in der Nacht auf Mittwoch verletzt, wie der Gouverneur der betroffenen Provinz Hodeida, Hassan al-Hai, mitteilte. Ärzte vor Ort sprachen von mindestens 25 Toten.

Die Fabrik lag in der Nähe einer Kaserne und einer Militärschule. Diese seien ebenfalls bombardiert worden, hieß es von Augenzeugen. Das von den Houthi-Rebellen geführte Verteidigungsministerium schrieb den Angriff der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition zu. Diese kämpft seit knapp einer Woche gegen die schiitischen Houthis im Jemen. Manche Augenzeugen sprachen hingegen davon, dass von einer nahegelegenen Militärbasis aus abgeschossene Raketen die Fabrik versehentlich getroffen hätten.

Gasbehälter explodiert

Bei den Opfern handelt es sich dem Gouverneur zufolge um Beschäftigte der Molkerei. Der Bereitschaftsarzt des Krankenhauses, das die Opfer aufnahm, sagte, durch den Beschuss sei ein Gasbehälter explodiert. Ein Teil der Fabrik wurde demnach zerstört, Rettungstrupps suchten unter den Trümmern nach möglichen weiteren Opfern.

Der Beschuss fiel zusammen mit einer Intensivierung der seit knapp einer Woche andauernden Luftangriffe der Militärkoalition, unter anderem in der südlichen Hafenstadt Aden. Dort beschossen Luftwaffe und Marine mutmaßliche Stellungen der Houthi-Rebellen. Ein jemenitischer Offizier sagte, zu den Hauptzielen zähle ein von Rebellen gehaltener Gebäudekomplex im Norden von Aden. Unter den Houthi-Milizionären gebe es "zahlreiche Tote und Verletzte".

Nach tagelangen Luftangriffen rief der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Rebellen zur Kapitulation auf. "Die Stabilität des Jemen und die Sicherheit der Bevölkerung hängen von Euch ab", appellierte Sisi am späten Dienstag in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache. Die Rebellen müssten "zum Wohl des Landes zurückweichen". Auch Ägypten nimmt an der Militärkoalition teil.

Kein Anlass für Bodentruppeneinsatz

Im Konflikt im Jemen ist nach Einschätzung der Militärkoalition derzeit keine Bodenoffensive notwendig. Ein saudi-arabischer Sprecher der von Riad angeführten Allianz sagte am Dienstag vor Journalisten, für eine "Landintervention" gebe es derzeit keinen Anlass. Die Lage könne sich gleichwohl "jederzeit" ändern, fügte Brigadegeneral Ahmed Assiri hinzu.

Die Luftwaffe der Koalition griff in der Nacht in der Umgebung der Hauptstadt Sanaa und in der zentralen Region Ibb auch Lager der Republikanischen Garde an, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh die Treue hält. Weitere Ziele waren mutmaßliche Houthi-Stellungen in den nördlichen Provinzen Hajjah und Saada. Nach Angaben von Krankenhäusern wurden bei einem Luftangriff auf den Hafen Maydi in Hajjah sechs Zivilisten getötet.

Die UNO beklagte die sich verschlechternde Gesundheitsversorgung durch die immer intensiver werdenden Kämpfe im Jemen. Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF wurden in der vergangenen Woche mindestens 62 Kinder getötet und 30 weitere verletzt. In Aden, der zweitgrößten Stadt des Landes, kommt es immer wieder zu Ausfällen bei der Strom- und Wasserversorgung. Nahrungsmittel werden zusehends knapper.

Die UNO hatte zuvor die Zahl der seit Freitag getöteten Zivilisten mit mehr als 90, die der Verletzten mit mehr als 360 angegeben. Der UNO-Menschenrechtskommissar Seid Ra'ad al-Hussein warnte, der Jemen stehe "am Rand eines vollständigen Zusammenbruchs".

Saudi-Arabien und mehrere weitere arabische Staaten, darunter Ägypten, hatten die Militäroffensive am vergangenen Donnerstag gestartet. Die Rebellen hatten im September die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und rückten dann weiter nach Süden vor. Saudi-Arabiens sunnitisches Königshaus unterstützt den nach Riad geflohenen Präsidenten Abd Rabbo Mansour Hadi und wirft dem Iran und Saleh vor, die Rebellen zu unterstützen. (APA, 1.4.2015)

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