Österreichs Hockeysport macht sich auf dem Feld breit

1. April 2015, 11:09
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Die Arminen treten in den Niederlanden unter den 16 besten Vereinen Europas an. Und die Spieler zahlen drauf

Wien - Die Herren der SV Arminen müssen dieser Tage in die Tasche greifen. Zwei Hunderter macht jeder Spieler des in Wien-Hernals ansässigen Hockeyvereins locker. Und dies mit dem größten Vergnügen, führt die mit den Beiträgen finanzierte Reise doch ins niederländische Bloemendaal zur Endrunde der 16 besten Vereinsmannschaften Europas. "Schon die Teilnahme ist eine Sensation", sagt Stephan Scharner, sportlicher Leiter der Arminen.

Im Oktober hatten sich die Wiener mit einem Sieg gegen Bromac Kelburne aus Schottland und einem Remis gegen Atletic Terrassa aus Spanien für das Achtelfinale der Euro Hockey League qualifiziert. Wohlgemerkt als erstes österreichisches Team in der Geschichte der EHL, am Donnerstag heißt der Gegner nun Oranje Zwart. Der Vorjahresfinalist entspricht nicht der Definition eines Wunschloses, Scharner sieht gegen die Niederländer minimale Aufstiegschancen. Die Arminen seien 1:50-Außenseiter, träumen dürfe man aber trotzdem: "Wir fahren dorthin, um zu gewinnen. Was sollen wir denn sonst sagen?"

Bei aller gebotenen Zurückhaltung, der Vorstoß der Arminen in Europas Elite ist nicht dem Zufall geschuldet. Österreichs Hockeysport befindet sich in einer Phase des Aufschwungs. Im Februar schaffte das Nationalteam bei der Hallen-Weltmeisterschaft Silber, die Damen schrammten in Leipzig an Bronze vorbei. Dem nicht genug, streben die Herren auch auf dem Feld nach höheren Weihen. Im Juni spielen sie in Argentinien um das Olympia-Ticket für 2016. Die USA, Russland, Italien und Chile hat man bereits hinter sich gelassen. "Für Erfolge am Feld braucht man zumindest 18 gute Spieler, die hat Österreich jetzt zur Verfügung", sagt Scharner. Fünf in Deutschland tätige Legionäre heben das Niveau der Equipe an, die Arminen stellen mit elf Spielern das größte Kontingent.

Eben jene Akteure sollen den Schwung des Nationalteams auf die Arminen übertragen. "Sie sind bestens in Schuss", sagt Scharner, dessen Spieler allesamt Amateure sind. Der Verein plant mit einem jährlichen Budget von 200.000 Euro, das Geld fließt in Platzkosten und den Aufwand der Trainer. Sponsoren gibt es nicht, bestenfalls könne man von hockeybegeisterten Mäzenen sprechen. Generell sei der Sport in Österreich nicht zu vermarkten, "den Ball sieht man im Fernsehen ja kaum".

Auch die Regeln seien für den Laien zu kompliziert. Das Finale der Hallen-WM wurde aufgrund der alpinen Ski-WM verschoben, so konnten sich am Spartensender des ORF wenigstens ein paar Zuseher einfinden. "Das gibt es nur bei so einem kleinen Verband", sagt Scharner und muss schmunzeln. Der Hockeysport sei in Österreich ein Zusammenschluss von Idealisten, die Spieler der Arminen hätten sich sogar eigenhändig eine Kraftkammer gebaut. Und um "7000 Euro haben wir dann die Ausstattung aus einer Konkursmasse gekauft".

Versprechen aus der Politik hat Scharner schon oft zu hören bekommen, glauben kann er sie nicht mehr. Dabei geht es ihm nicht nur um die Arminen, sondern auch um die Konkurrenz, die sich im Hockeystadion an der Prater Hauptallee drängelt. Drei Vereine teilen sich dort den Platz, die Trainingsbedingungen sind dementsprechend. Eine Qualifikation für Olympia könnte den Weg zu einem dringend benötigten Kunstrasenplatz ebnen. Nur dann führe der Weg weiter bergauf: "Die Entwicklung des Sports geht einher mit der Infrastruktur." Wie Scharner die Chancen einschätzt? "Das hängt von der Auslosung ab. Aber besser als jene der Arminen gegen Oranje Zwart. Besser als nichts." (Philip Bauer, DER STANDARD, 1.4.2015)

  • Erfolge in der Halle haben Tradition. Nun aber geht es für Österreichs Hockeysport auch im Freien aufwärts. Die SV Arminen spielt gegen die Besten Europas, das Nationalteam will zu Olympia.
    foto: sv arminen

    Erfolge in der Halle haben Tradition. Nun aber geht es für Österreichs Hockeysport auch im Freien aufwärts. Die SV Arminen spielt gegen die Besten Europas, das Nationalteam will zu Olympia.

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    Video: Die Arminen bezwingen Bromac Kelburne aus Schottland mit 5:2.

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