Der iranische Zentrifugen-Poker

Analyse1. April 2015, 05:30
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Teheran soll von der technischen Bombenbaukapazität entfernt gehalten werden

Lausanne/Wien - Bei den Atomverhandlungen mit dem Iran - die Dienstag zu Mitternacht die selbsteingezogene Deadline erreichten, an der ein "Rahmenabkommen" stehen sollte - geht es der internationalen Gemeinschaft im Prinzip um einen Punkt: Der Iran soll für eine längere Zeitspanne von einer nuklearen "Breakout"-Kapazität entfernt bleiben.

Die sogenannte Breakout-Zeit soll ein Jahr betragen. Das heißt, von der Entscheidung, eine Bombe zu bauen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem genug waffenfähiges Uran für den Bombenbau vorhanden wäre, würde ein Jahr vergehen.

Was so klingt, als wäre es relativ einfach zu berechnen, ist aber durchaus umstritten - denn der Output eines Anreicherungsprogramms hängt von vielerlei Faktoren ab. Für die Iran-Hardliner in Israel und in den arabischen Golfstaaten ist allein die Tatsache ein harter Schlag, dass sich die USA und die anderen Verhandler (EU, Großbritannien, Frankreich, Deutschland sowie Russland und China) überhaupt mit einem iranischen Urananreicherungsprogramm abfinden. Die Verhandler tragen hingegen der unbestreitbaren Tatsache Rechnung, dass der Iran ohne Verhandlungen auch Uran anreichern würde - und das ohne die Einschränkungen des Ende 2013 abgeschlossenen "Joint Plan of Action" (JPOA).

Ein bisschen Rechnen

Die Ziffer, die die Internationale Atomenergiebehörde als nötige Menge von waffenfähigem Uran für eine Bombe nennt, ist 27 kg. Da es unterschiedliche Zentrifugen zur Urananreicherung gibt und diese, je nachdem wie technisch gut das Programm ist, unterschiedlich viel leisten, gibt es eine eigene Maßeinheiten für die Zentrifugenleistung, die SWUs (Separative Work Units). Um 27 kg waffenfähiges Uran zu erzeugen, braucht man etwa 5000 SWUs, wenn man mit natürlichem Uran (in dem das Isotop U-235 nur zu 0,7 Prozent enthalten ist) anfängt.

Der Iran hat im Moment 9000 Zentrifugen des Typs IR-1 laufen, die bis zu 1 SWU pro Jahr produzieren können. Das wären (bei maximaler Leistung, meist bleiben die Zentrifugen darunter) demnach 9000 SWUs pro Jahr. Das heißt, derzeit wäre die iranische Breakout-Zeit etwa sieben Monate, immer vorausgesetzt natürlich, dass das angereicherte Material angesammelt wird.

Wenn die Zentrifugen nicht mit Natururan, sondern schon mit auf 3,5 angereichertes UF6 gefüttert werden, dann geht es natürlich schneller. Der Iran hat außer den 9000 laufenden IR-1-Zentrifugen auch noch gut 9000 weitere desselben Typs, die derzeit nicht in Betrieb sind. Außerdem gibt es die viel leistungsfähigere IR-2 (mit etwa 5 SWU pro Jahr).

6000 Zentrifugen

Zuletzt wurde gemunkelt, dass sich die Verhandlungspartner auf 6000 IR-1 geeinigt hätten - das wäre mehr, als die USA anstrebten, aber natürlich auch viel weniger, als der Iran wünschte. In Israel zirkulierte vor kurzem auch der Bericht, dass die USA sich mit 9000 abgefunden hätten, aber das war wohl ein Versuch, die Verhandlungen zu diskreditieren. Die Breakout-Zeit hängt jedoch nicht nur von der iranischen Produktion ab, sondern auch davon, was mit dem produzierten Material mit 3,5 Prozent Anreicherungsgrad passiert.

Keine Uranbestände

Da kommt die Diskussion ins Spiel, dass das angereicherte Uran zu einem großen Teil nach Russland gebracht werden könnte, um dem Iran keine Breakout-Kapazität zu lassen. Zuletzt hatte es geheißen, dass Teheran seine frühere Zustimmung zu diesem Punkt wieder widerrufen hat - inzwischen hat aber auch eine US-Sprecherin klargestellt, dass es noch keine Übereinkunft gegeben hatte. Es gibt durchaus auch andere Möglichkeiten, das Uran für weitere Anreicherung - zumindest mittelfristig - unbrauchbar zu machen, Verdünnung oder auch die Umwandlung in Brennstoff.

Ein haariger Punkt in der Breakout-Diskussion ist auch die iranische Forschung und Entwicklung von noch leistungsstärkeren Zentrifugen, die dann für die Zeit nach dem Abkommen parat stehen würden. Auch sie wollen die Verhandler in Genf verhindern.(Gudrun Harrer, DER STANDARD, 1.4.2015)

  • Eine iranische Journalistin ergeht sich im Garten, während die Verhandler um ein "Rahmenabkommen" im Atomstreit ringen.
    foto: ap/smialowski

    Eine iranische Journalistin ergeht sich im Garten, während die Verhandler um ein "Rahmenabkommen" im Atomstreit ringen.

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