Der Frau die Tasche tragen

3. April 2015, 05:30
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Die tragende Rolle in einer Partnerschaft

foto: lukas friesenbichler

Pro
Von Sigi Lützow

Einer Frau nur deshalb die Tasche zu tragen, um ganz sicher zu gehen, dass die Angebetete nicht spontan das Weite sucht, ist sicher nicht der richtige Ansatz. Die Aufteilung der tragenden Rollen in einer Partnerschaft - hier die Tasche, dort die Verantwortung zum Beispiel - ergibt sich ja ebenfalls nicht spontan. Besteht bereits Tragezwang, ist schon derart viel aus dem Ruder gelaufen, dass es darauf auch nicht mehr ankommt. In einer solchen Konstellation gibt es gewiss schlimmere Demütigungen.

In Zeiten, in denen die Größe der Frauenhandtasche immer mehr in Richtung Elefantenschlafsack tendiert, spricht gar nichts mehr dagegen, für die Liebste temporär den Muli zu geben. Die Henkel derartiger Geräte, in denen neben Krimskrams auch Zimmer, Kuchl, Kabinett Platz finden, kann man sich frohgemut über die Schulter werfen, um erhobenen Hauptes neben der Besitzerin einherzuschreiten. Das macht möglicherweise Kreuzschmerzen, aber ganz sicher einen schlanken Fuß. Und ist gar nichts gegen die Last, die sie mit einem permanent zu tragen hat.

Kontra
Von Ljubiša Tošić

Trageappelle von Zufallsbekanntschaften dürfen nicht ignoriert werden. Es ist erbaulich für wahre Gentlemen - in Taschen stöbernd -, zu ergründen, was Damen, die man nicht kennt, so mit sich schleppen. Gänzlich anders verhält es sich im privaten Umfeld; zum Wesen einer erfüllten Beziehung gehören nun einmal auch düstere Geheimnisse. Nicht alles hören, nicht alles abfragen, nicht alles klären und somit nicht wissen müssen, was in einer XXL-Handtasche verborgen wird - es ist essenziell. Hier ist jegliche Hilfeleistung charmant, aber gnadenlos zu verweigern; die Verlockung wäre monströs, Geahntes, aber Verdrängtes, also Unfassbares über den Menschen neben sich zu erfahren.

Nicht zu unterschätzen ist in verhaltensauffälligen Fällen ein positiver pädagogischer Effekt. Sofern die Angebetete nicht über die Kräfte einer Kugelstoßweltmeisterin verfügt, führt die untersagte Hilfeleistung womöglich zur Erkenntnis, dass das Leben bewältigbar bleibt, selbst wenn nicht gesamte Inhalte von Büros, Badezimmern oder Kleiderschränken mit sich geführt werden. (Rondo, DER STANDARD, 3.4.2015)

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