Brite entließ sich mit gefälschter E-Mail selbst aus Gefängnis

1. April 2015, 14:24
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28-Jähriger kreierte Webdomain über Mobiltelefon - Behörden bemerkten Coup erst nach drei Tagen

London/Wien - Ein Richter im englischen Southwark Crown Court fühlte sich veranlasst, die Worte "genial kriminell" auszusprechen. Auslöser dafür war die ausgefuchst eingefädelte Flucht eines verurteilten Betrügers, die derzeit in seinem Gerichtssaal verhandelt wird.

Der 28-jährige Neil M. soll nämlich mithilfe eines eingeschmuggelten Mobiltelefons nicht nur eine Webdomain kreiert haben, die der amtlichen täuschend ähnlich war. Es gelang ihm auch, über eine gefälschte E-Mail-Adresse die - ebenfalls gefälschten - Entlassungspapiere an die Gefängnisverwaltung zu schicken. Der Trick funktionierte, er wurde prompt in die Freiheit geschickt.

Der Coup ereignete sich im März vergangen Jahres und fiel erst auf, als ein Anwalt den Insassen sprechen wollte, ihn aber nicht im Gefängnis vorfand. Erst weitere drei Tage später stellte sich M. selbst den Behörden.

Hinterhältig und kreativ

Beim Prozess dürfte der Staatsanwalt - mehr oder weniger erfolgreich - nach den richtigen Worten gerungen haben, um sich unbeeindruckt zu zeigen: Er sprach zwar von der "kriminellen Hinterhältigkeit", aber auch vom "Erfindungsreichtum" und der "Kreativität" des Angeklagten.

Diese Talente stellte M. schon früher unter Beweis, saß er doch wegen Millionenbetrugs hinter Gittern. Er hatte sich unter mehreren Decknamen erfolgreich als Bankbeamter ausgegeben und auch mithilfe von Stimmenimitation, Unternehmen dazu bewegt, ihm in Summe rund 2,5 Millionen Euro zu überweisen.

Ein Aprilscherz kann übrigens ausgeschlossen werden: Der Prozess um die trickreiche Flucht startete schon Ende März, das Urteil wird für den 20. April erwartet. (cmi, derStandard.at, 1.4.2015)

Zum Thema:

BBC: Wandsworth Prison escapee faked bail email

Serie: Nachricht aus Absurdistan

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  • Erst nach drei Tagen stellten die Behörden fest, dass der Insasse nicht mehr in seiner Zelle war (Symbolfoto).
    foto: reuters/peter macdiarmid

    Erst nach drei Tagen stellten die Behörden fest, dass der Insasse nicht mehr in seiner Zelle war (Symbolfoto).

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