Amtlich: Ex-Diktator Buhari wird neuer Präsident Nigerias

1. April 2015, 14:14
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Der Oppositionskandidat Muhammadu Buhari hat die Präsidentenwahl mit einem Erdrutschsieg gewonnen, Präsident Goodluck Jonathan gratulierte dem Herausforderer

Abuja/Wien - Es waren zwei lange Tage nach den Wahlen am Wochenende, an denen ausgezählt wurde - doch nun wurde amtlich, dass der Oppositionskandidat Muhammadu Buhari die Präsidentenwahlen in Nigeria gewonnen hat. Der bisherige Staatschef Goodluck Jonathan ist somit der erste Amtsinhaber seit der Rückkehr zur Demokratie 1999, der abgewählt wird.

Die Opposition gab bekannt, dass Jonathan in einem Telefonat den Buharis Sieg anerkannt habe. Die Unabhängige Nationale Wahlkommission erklärte schließlich am Mittwoch, Buhari habe 2,57 Millionen Stimmen mehr erzielt als Amtsinhaber Goodluck Jonathan und sei mit 53,95 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten Nigerias gewählt worden.

"Historischer" Sieg

Nach dem ersten demokratischen Machtwechsel in Nigeria hat der künftige Präsident Muhammadu Buhari die friedliche Wahl als "historisch" bezeichnet. "Unser Land hat sich nun der Gemeinschaft der Nationen angeschlossen, die die Wahlurne genutzt haben, um in freier und fairer Wahl einen Präsidenten zu wechseln", sagte Buhari am Mittwoch in seiner Siegesrede in Abuja.

Nigeria habe seinen "Glauben an die Demokratie" gezeigt und den Einparteienstaat hinter sich gelassen. "Für mich ist das wahrhaft historisch", sagte der 72-Jährige und forderte die Menschen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas auf, den Wahlsieg der Opposition friedlich zu akzeptieren. "Jetzt ist nicht die Zeit für Kämpfe", sagte er.

Ergebnis verzerrt

Das Ergebnis ist allerdings umstritten. Schon während der Auszählung warfen Vertreter von Jonathans Demokratischer Volkspartei PDP der Wahlkommission vor, gemeinsam mit Buharis All Progessives Congress (APC) das Ergebnis zu verzerren.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa hatte der 72-jährige Buhari nach Zahlen aus 35 von 36 Staaten und des Hauptstadtbezirks Abuja etwa zwei Millionen Stimmen Vorsprung vor dem Amtsinhaber. Bei der Wahlkommission in Abuja, deren seit Montag laufende Auszählung live im Fernsehen übertragen wurde, ging die Sache gemächlicher vonstatten. Aber als sich die nach und nach von betagten Beamten aus den einzelnen Staaten vorgetragenen Zahlen stets im Einklang mit den inoffiziellen befanden, verfestigte sich auch dort der Eindruck vom Buhari-Sieg.

"Vertrauen verloren"

Der Einspruch der PDP ließ nicht lange auf sich warten. "Herr Vorsitzender, wir haben das Vertrauen in Sie verloren", begann schon am Vormittag der frühere Minister für das Nigerdelta Peter Godsday Orubebe einen fast zehnminütigen Frontalangriff auf den Inec-Vorsitzenden Attahiru Jega.

Dieser ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Vorwürfe seien unzutreffend, Herr Orubebe solle als ehemaliger Minister besser überlegen, was er sage.

Angriffe der PDP ist Jega in den vergangenen Tagen gewöhnt. Die Partei verdächtigte die Kommission schon vor der Wahl, mit der Einführung biometrischer Wählerkarten viele Bürger an ihrem Votum zu hindern. Tatsächlich gab es am Wochenende Probleme mit einigen Lesegeräten, darunter bei jenem von Präsident Jonathan. Allerdings sollen diese nur wenige der Geräte betroffen haben.

Dass die PDP von Schiebung sprach, lag auch daran, dass die Wahlbeteiligung im muslimisch geprägten Norden, dessen Bewohner großteils Buhari unterstützen, klar höher lag als im Süden. Wahlbeobachter konnten allerdings vorerst keine großen Fälschungsversuche bezeugen. Experten gingen davon aus, dass es den bisherigen Wählern des Amtsinhabers in christlichen Regionen an Enthusiasmus für den uncharismatischen Präsidenten gefehlt habe. Statt Buhari zu wählen, seien sie lieber zu Hause geblieben. James Schneider, Journalist beim New African Magazine, argumentiert, das Ergebnis zeige eher, dass Fälschungen nun schwieriger seien.

Während der APC am Abend den Sieg für sich reklamierte, wurde auf eine offizielle Reaktion der PDP und der Kandidaten noch gewartet. Eine Klage gegen das Resultat erschien vielen möglich. (red, mesc, DER STANDARD, 1.4.2015)

  • Unterstützer feierten den Oppositionskandidaten Muhammadu Buhari schon am Dienstag als Sieger bei Nigerias Präsidentenwahl.
    foto: ap / ben curtis

    Unterstützer feierten den Oppositionskandidaten Muhammadu Buhari schon am Dienstag als Sieger bei Nigerias Präsidentenwahl.

  • Grafik zur Präsidentenwahl in Nigeria.

    Grafik zur Präsidentenwahl in Nigeria.

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