Amnesty-Bericht: Weniger Exekutionen weltweit

1. April 2015, 05:30
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Im Jahr 2014 wurden mehr Personen zum Tod verurteilt, aber weniger hingerichtet als im Jahr davor

London/Wien – Nach 45 Jahren in der Todeszelle wurde im Vorjahr das Todesurteil gegen den Japaner Iwao Hakamada aufgehoben. Er hatte in der Haft schwere geistige Krankheiten entwickelt, Amnesty International versuchte ihn seit fast einem Jahrzehnt aus dem Todestrakt zu bekommen.

Im Jahr 2014 wurden aber auch mindestens 2.466 Menschen zum Tode verurteilt. Das ist ein Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Jahr davor, zeigt die von Amnesty veröffentlichte Todesstrafenstatistik. Verantwortlich für die vielen Verurteilungen sind für die Autoren des Berichts vor allem jene Staaten, die versuchen, mithilfe der Todesstrafe gegen Terrorismus anzukommen. Vor allem in Ägypten und Nigeria war es wegen innerstaatlicher Konflikte mit Terrorgruppen und politischen Gegnern zu Massenverurteilungen gekommen.

Weniger Menschen hingerichtet

"Es ist beschämend, dass gerade in einem Jahr, in dem wir so viele grausame willkürliche Hinrichtungen durch bewaffnete radikale Gruppen gesehen haben, auch Regierungen selbst die Todesstrafe rechtfertigen", erklärte Amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt in einer Aussendung.

Gleichzeitig wurden im Vorjahr weltweit mindestens 607 Personen hingerichtet, was einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt – mindestens, weil nur dokumentierte Hinrichtungen aufgelistet werden. Staaten wie Vietnam oder Nordkorea behandeln Hinrichtungen als Staatsgeheimnis.

China nicht in der Statistik erfasst

So auch China, das laut Amnesty-Experten für die meisten Hinrichtungen verantwortlich ist und geschätzt tausende Menschen jährlich hinrichtet. Es wird angenommen, dass das Land mehr als alle anderen Nationen, die die Todesstrafe vollstrecken, zusammen exekutiert. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, und so ist China von der Statistik ausgenommen. Was allerdings bekannt ist, dass im Zuge der "Strike Hard"-Kampagne in der chinesischen Xinjiang-Provinz in einem Fall drei Uiguren in einem Stadium zum Tode verurteilt worden waren. 7.000 Menschen waren bei der öffentlichen Verurteilung auf den Zuschauerrängen anwesend.

Das macht den Iran mit mindestens 289 Exekutionen zum Land mit den meisten vollstreckten Todesurteilen, gefolgt von Saudi-Arabien mit 90 Hinrichtungen.

Trend gegen die Todesstrafe

Laut Amnesty gibt es aber auch einen positiven Trend zu vermelden. So hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Anzahl jener Länder, die die Todesstrafe im Strafgesetzbuch festgeschrieben haben, nahezu halbiert. Waren es im Jahr 1995 noch 41 Nationen, verhängen im Jahr 2015 nur noch 22 Staaten der Welt Exekutionen. (bbl, DER STANDARD, 31.3.2015)

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