Muhammadu Buhari: Der Diktator, der Nigerias Demokratie retten soll

Kopf des Tages1. April 2015, 05:58
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Der frühere Militärdiktator wurde 30 Jahre nach seinem Sturz demokratisch ins Amt gewählt

Dass ausgerechnet Muhammadu Buhari (72) künftig die Geschicke Nigerias leiten wird, erscheint nur auf den ersten Blick wie Ironie. Der ehemalige Militärdiktator, der 1983 eine kurze Periode der nigerianischen Demokratie gewaltsam beendete, wird fast genau 30 Jahre nach seinem Sturz in den "Felsen" einziehen, wie der Präsidentenpalast in Abuja im Volksmund genannt wird. Sein Wahlsieg, der in der Nacht auf Mittwoch amtlich wurde, macht die Zerwürfnisse und Frustrationen in Afrikas größter Volkswirtschaft deutlich.

Obwohl mehr als zwei Drittel der Nigerianer jünger als 30 Jahre alt sind, speist Buharis Ruf als nationalistischer Korruptionsbekämpfer mit der eisernen Faust - erworben zwischen 1983 und 1985 - bis heute das Reservoir seiner Wähler. Der von ihm ausgerufene "Krieg gegen Disziplinlosigkeit" ahndete Zuspätkommen am Arbeitsplatz ebenso drakonisch wie Chaos im öffentlichen Verkehr und Korruption. Mehr als 500 Politiker, Geschäftsleute und Beamte ließ er einsperren, die Bevölkerung musste ihre Geldreserven zwangsweise umtauschen. 1983 schlug die nigerianische Armee unter seinem Kommando tschadische Invasoren zurück.

Demgegenüber prangern Kritiker Menschenrechtsverstöße, Gängelung der Presse und eine völlig verfehlte Wirtschaftspolitik an.

"Das Volk hat es in der Hand", skizzierte der Vater von zehn Kindern, der sich als "konvertierter Demokrat" betrachtet, 2005 sein Politikverständnis. "Wenn es eine korrekte Führung wählt, braucht es keine Militärdiktatur."

Während Buhari, ein Muslim aus dem nördlichen Bundesstaat Katsina, bei drei vorangegangen Wahlen kaum Widerhall unter Christen im wirtschaftlich dominanten Süden fand, erschien er nun der Mehrheit als Mann der Stunde; nicht nur, weil auf den Christen Jonathan einem inoffiziellen Proporz zufolge ein Muslim folgen sollte.

Präsident Jonathan fahre einen zu laxen Kurs gegen die Jihadisten, er selbst werde Boko Haram binnen weniger Monate aufreiben, polterte Buhari. Ein misslungener Anschlag 2014, der Boko Haram zugeschrieben wird, ließ Buhari schließlich auch jene radikalislamischen Dünkel abschütteln, die viele Nigerianer gegen den erklärten Scharia-Befürworter hegten.

Beim ersten Versuch als Staatschef wurde Buhari 1985 durch die Hand eines Generals entmachtet. Vieles spricht dafür, dass er beim zweiten Mal, demokratisch gewählt, länger durchhält. (Florian Niederndorfer, DER STANDARD, 1.4.2015)

  • Muhammadu Buhari, der künftige Präsident Nigerias.
    foto: reuters/akintunde akinleye

    Muhammadu Buhari, der künftige Präsident Nigerias.

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