PAOK: Tsipras wegen Schuldenerlasses in Kritik

1. April 2015, 10:23
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Griechenlands Premier erlässt dem russischen Besitzer von Erstligist PAOK Saloniki 20 Millionen Euro Schulden

Ivan Savvidis spricht fast kein Wort griechisch. Trotzdem bedankte sich der russische Besitzer des Erstligisten PAOK Saloniki in einem offenen Brief bei Alexis Tispras: "Befreit von den Fesseln der Schulden werden wir den Klub jetzt auf den Weg unserer Träume führen können". Gemeint waren die Schulden von PAOK von mehr als 20 Millionen Euro, von deren Zahlung der griechische Premierminister Alexis Tsipras den Verein subtil befreite. Die rechtliche Grundlage liefert dafür eine eigentlich für Notfälle vorgesehene Regelung, die von Premierminister Tsipras bereits unterzeichnet wurde und vom Parlament nicht mehr abgesegnet werden muss. Demnach bleiben PAOK mehr als 20 Millionen Euro an Verzugszinsen und Strafgebühren erspart, sofern er die eigentliche Steuerschuld von elf Millionen Euro sofort begleicht. Ivan Savvidis ist also der Mann der Stunde in Griechenland.

Der Retter von PAOK Saloniki.

Die Gunst der Stunde kam ihm auch zugute. Der 56-jährige russische Wirtschaftsunternehmer mit griechischen Wurzeln, den Forbes auf Platz 30 der reichsten Russen einreiht, setzte sich seit der Übernahme von PAOK, also seit 2012 für den Schuldenerlass ein. Der Mann, der in der Zwischenzeit den PAOK-Fans den Meistertitel versprach, redet viel und gern, aber nur auf russisch. "Ich hoffe von ganzem Herzen, die hellenische Polit-Elite werde endlich einsehen, dass die Anlehnung an die Vereinigten Staaten und Westeuropa Griechenland in die heutige verzweifelte Lage manövriert habe", sagte Savvidis noch zu Zeiten des Ex-Premiers Samaras. "Griechenlands Rettung" befinde sich in der christlich-orthodoxen Welt, in der Russland das größte und reichste Land ist, befand Savvidis.

"Wunderbare Zukunft mit Russland"

Nun spricht aber auch Premierminister Tsipras von "einer wunderbaren Zukunft" mit Russland und davon dass Russland und Griechenland zusammenarbeiten sollen, weil sie "im gemeinsamen Widerstand gegen Hitlerdeutschland den größten Blutzoll im Zweiten Weltkrieg entrichtet" haben . Auch eine enge Kooperation im Energiesektor, beim Handel und in der Landwirtschaft ist anvisiert. Das dürfte Savvidis, den Besitzer der größten russischen Tabakhandelskette "Donskoy" freuen. Er ist sowohl Vorsitzende der Auslandsgriechen in der Region Schwarzes Meer als auch Abgeordneter von Putins Partei "Einiges Russland" ."Ich kann nicht außerhalb der Politik sein", sagte der Putin-Intimus schon des öfteren. PAOK wurde sein neues Sprachrohr. Savvidis wollte den Klub schon 2006 erstehen. Aus persönlichen Gründen: PAOK Saloniki wurde 1926 von griechischen Flüchtlingen aus Konstantinopel gegründet, und die Familie des Oligarchen flüchtete auch aus der Türkei, aus Pontos nach Rostow.

Tsipras auf den Spuren der Vorgänger

Als Alexis Tsipras nach den jüngsten Skandalen im Februar die griechische Fußballmeisterschaft aussetzte, glaubten viele: das ist das Ende einer Ära im populärsten Sport der Hellenen, vorbei wird es sein mit der Korruption, mit der Zeit der Oligarchen, mit den Morddrohungen und Attentaten und mit der Hegemonie einer wirtschaftlichen Elite, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnten an der Spitze des griechischen Fußballs verfestigt hatte. All diese Hoffnungen wurden am Montag im Keim erstickt, Großvereine Steuer- und Schuldenerlässe zu geben, gemäß dem Motto "besser der Staat nimmt wenig ein, als gar nichts" das ist genau das, was auch die Vorgänger von Tsipras getan hatten und was auch Tsipras immer in der Öffentlichkeit kritisierte. (Tamas Denes, derStandard.at, 1.4.2015)

  • Alexis Tispras macht's möglich: PAOK werden mehr als 20 Millionen Euro an Verzugszinsen und Strafgebühren erlassen.
    foto: reuters/konstantinidis

    Alexis Tispras macht's möglich: PAOK werden mehr als 20 Millionen Euro an Verzugszinsen und Strafgebühren erlassen.

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