260.000 Wenigverdiener in Österreich

31. März 2015, 12:48
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Insgesamt 12 Prozent der Vollzeitbeschäftigten betroffen - Mehr Frauen als Männer unter Niedrigverdienern

Wien/Linz -Fast 260.000 Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 1.500 Euro brutto in Österreich. Das sind knapp 12 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, Frauen (17,9 Prozent) sind häufiger betroffen als Männer (8,5 Prozent). Das gaben Arbeiterkammer-OÖ-Präsident Johann Kalliauer und der zuständige Abteilungsleiter Johannes Pointner in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz bekannt.

Die AK fordert kollektivvertragliche Mindestlöhne und -gehälter von 1.500 Euro in allen Branchen. 1.500 Euro brutto bedeuten laut Online-Rechner des Finanzministeriums 1.159,08 Euro netto bei einem Angestellten. Zwei Drittel der Wenigverdiener wohnen in Wien (51.800), Oberösterreich (46.500), Niederösterreich (46.000) und der Steiermark (38.800). Den höchsten Niedrigverdienst-Anteil weist mit 13,2 Prozent Vorarlberg auf, wobei 22,5 Prozent der Frauen und 8,8 Prozent der Männer in Vollzeitbeschäftigung betroffen sind. Auch in Oberösterreich (20,7) und der Steiermark (20,6) ist der Frauenanteil sehr hoch. Wien überrascht mit einem hohen Männeranteil von 10,5 Prozent, Frauen halten dafür unterdurchschnittlich bei 14,1 Prozent. Für Pointner liegen als Erklärung die überdurchschnittlich vielen öffentlich Bediensteten und die gute Kinderbetreuung in Wien auf der Hand.

Nach Branchen verdienten in der Produktion acht Prozent weniger als die 1.500 Euro, im Handel 18 Prozent und im Hotel- und Gastgewerbe 46 Prozent. Der Niedriglohnsektor bleibe in etwa immer gleich groß, betonte Kalliauer. Die Situation habe sich aber gebessert. Lagen 2009 noch mehr als 15 Prozent unter der 1.500-Euro-Grenze, waren es heuer nur mehr knapp 12. Positiv sei, dass die Gewerkschaft im Handel ein Vollzeit-Mindestgehalt von 1.500 Euro erreichen habe können. Die für die AK von der Statistik Austria auf Basis der Lohnsteuerstatistik 2013 ausgewerteten Daten beziehen sich auf jene Beschäftigten, die laut Lohnsteuerstatistik ein ganzes Jahr lang einen Vollzeitjob hatten. Das entspreche etwa 52,3 Prozent aller Beschäftigten.

"Wir müssen penibelst schauen, dass wenigstens niedrige Levels eingehalten werden", sagte Kalliauer. Es dürfe keinen Toleranzspielraum bei Einstufungen und Bezahlung von Über- und Mehrarbeitsstunden geben. Die AK fordert eine Informationspflicht bei Unterbezahlung durch Gebietskrankenkasse und Finanzamt nach Kontrollen sowie die Abschaffung kurzer Verfallsfristen. Es gelte auch, die weißen Flecken in der Deckung mit einem KV zu schließen, unter anderem bei den freien Berufen. Immerhin kämen 48 Prozent der Österreicher schwer, zehn Prozent gar nicht mit ihrem Einkommen aus. (APA, 31.3.2015)

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