ORF verlängert Skirechte, Formel 1 noch fraglich

31. März 2015, 17:09
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80 bis 90 Millionen im Jahr lässt sich der ORF TV-Sport kosten, 2014 gar 106 Millionen - Debatte über die 15 Formel-1-Millionen

Wien - So leicht lässt sich ein Hans Peter Trost nicht vom Kurs abbringen. Da können Zeitungen wie Die Welt vom "Rekordtief" schreiben und Branchendienste von "Identitätskrise" der Formel 1. "Drei, vier Rennen" will der Sportchef des ORF Quoten und Programmumfeld analysieren, sagte Trost am Freitag im STANDARD-Gespräch. Bevor er die Brauen kräuselt über die Saison.

Freitag, das war zwei Wochen nach dem zuschauerarmen Saisonauftakt und unmittelbar vor dem Grand Prix in Malaysia an diesem Sonntag. 164.000 Menschen sahen Australien im ORF, noch eine Stunde früher freilich als 2014 mit 344.000 Zuschauern; der Marktanteil sank von 59 Prozent auf 47. Treibstoff für eine lang geführte Debatte im ORF: Soll ein öffentlich-rechtlicher Sender 15 Millionen Euro, davon zwei für Spielberg, ausgeben für ökologisch eher fragwürdige Kreisfahrer? Investiert er die nicht besser in eigene Filme und Serien, die er weit häufiger verwerten kann? Vor allem ORF-Finanzdirektor Richard Grasl hat die Formel-1-Rechte schon mehrfach hinterfragt.

Bis Ende 2016 hat der ORF die Übertragungsrechte vorerst. Der Deutschland-Vertrag von RTL läuft nur noch diese Saison. RTL hatte schon 2014 die quotenschwächste Formel 1 seit 1991, berichtete Die Welt. Nun versuche der deutsche Privatsender, den Preis von kolportierten 50 auf 30 bis 35 Millionen Euro pro Saison herunterzuverhandeln.

Trost der Philosophie

"Alle sagen, sie wollen weniger zahlen, jeder spekuliert", sagt Trost. Er selbst spekuliert, die Formel 1 könnte etwa in Deutschland ganz oder teilweise aus dem Free TV ins Bezahlfernsehen wandern. Sky Deutschland kommentiert Rechteverhandlungen und -strategien nicht. Grundlinie des Bezahlsenders ist seit Jahren: möglichst viele Exklusivrechte, sofern sie wirtschaftlich vertretbar sind.

Trost hätte die Formel 1 naturgemäß gern weiter im ORF: "Faktum ist: Die Formel 1 passt sehr gut in die Aufstellung des Sonntagnachmittags, ein ideales Format vor der Bundesliga. Der Flow funktioniert sehr gut."

Trost sagt, er verhandelte gern früh über den nächsten Vertrag. Sagt die ORF-Führung schon gültig, ob er über eine Verlängerung verhandeln soll? Bisher nicht, erklärt der Hauptabteilungsleiter mit dem größten Budget im ORF.

Da hilft, dass Trost stets seinen mit Philosophie für jeden sportlichen Anlass gut gefüllten Turnbeutel dabei hat. Hier greift er zu Albert Camus' Erfahrung im Fußball: "Ich begriff sofort, dass der Ball nie so auf einen zukommt, wie man es erwartet."

Geht es um Sportrechte, fliegt der Ball ohnehin meist in Richtung ORF. Gerade hat er FIS und ihrer Agentur Infront vorzeitig für weitere drei Saisonen bis 2020 die internationalen Skiweltcuprechte abgekauft, plus Skiweltmeisterschaften 2019 und 2021. Über den Preis schweigt man. Die ÖSV-Verträge über hiesige Rennen laufen bis 2017, hieß es in Innsbruck.

Die Formel 1 analysiert Trost nach Rennen zwei gewiss schon lieber: 363.000 Zuschauer (nach 2014: 369.000), der Marktanteil mit 47 Prozent zwei Punkte höher als 2014. (fid, DER STANDARD, 1.4.2015)

  • Fix live im ORF bis 2020: Skiweltcup alpin (hier:  Anna Fenninger in Meribel), nordisch sowie neu Snowboard, Ski Cross und  Damen-Skispringen, zudem Ski-Weltmeisterschaften 2019 und 2021.
    foto: apa/gindl

    Fix live im ORF bis 2020: Skiweltcup alpin (hier: Anna Fenninger in Meribel), nordisch sowie neu Snowboard, Ski Cross und Damen-Skispringen, zudem Ski-Weltmeisterschaften 2019 und 2021.

  • Bis 2016 fix im ORF, in Deutschland schon  intensiv diskutiert: Formel-1-Übertragungsrechte (Sebastian Vettel in  Malaysia).
    foto: apa/epa/suki

    Bis 2016 fix im ORF, in Deutschland schon intensiv diskutiert: Formel-1-Übertragungsrechte (Sebastian Vettel in Malaysia).

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