Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyles Reise ins Polarmeer

3. April 2015, 12:26
3 Postings

Der Erfinder von Sherlock Holmes arbeitete 1880 als Schiffsarzt auf einem Walfänger. "Heute dreimal ins Polarmeer gefallen" ist das Tagebuch seiner arktischen Reise

Arthur Conan Doyle ist seit Jahrzehnten berühmt als der Erfinder von Sherlock Holmes. Aber das Schreiben von Detektivgeschichten war beileibe nicht seine erste Profession. Angefangen hat er als Arzt. Im Jahr 1880 hatte Doyle die Gelegenheit, als Schiffsarzt auf einem Walfänger für mehrere Monate ins Polarmeer zu fahren. Während dieser Reise führte er ein Tagebuch, das die Jahrzehnte überdauerte.

Erst 2012 wurde es zum ersten Mal veröffentlicht. Unter dem launigen Titel "Heute dreimal ins Polarmeer gefallen" hat der Hamburger mare Verlag nun eine umfangreich ausgestattete deutsche Fassung des Buches herausgebracht.

Abenteuerlust und um Prüfungen zu aufzuschieben

Gerade einmal 20 Jahre alt war Doyle, als er das Angebot zur Reise annahm - aus Abenteuerlust, um Geld zu verdienen, und wohl auch, um die Prüfungen ein wenig aufzuschieben. "Logbuch" nennt Doyle seine Eintragungen. Das trifft es sehr gut. Nur sehr wenig tut sich an Bord, während die "Hope" ihren Weg von Schottland ins Seegebiet zwischen Grönland und Island macht.

Erst allmählich, als die Walfänger sich an die Jagd auf Tiere des Nordmeers machen, wird das Reisetagebuch lebhafter. Doyle (1859-1930) wandelt sich allmählich vom Beobachter zum Handelnden. Dabei erweist er sich einerseits als begeisterter Jäger, andererseits als Tollpatsch.

Wirtschaftlich ein Fehlschlag

Nach fast sechs Monaten kehrt die "Hope" zurück, und Doyle beendet seinen Reisebericht mit einer exakten Auflistung der Jagdbeute. Wirtschaftlich war die Reise ein Fehlschlag. Der Walfang, der über Jahrzehnte riesige Profite erwirtschaftet hatte, hatte sein Ende weitgehend erreicht. Arthur Conan Doyles Reisebericht ist somit auch ein bedeutendes Zeitdokument.

Über 130 Jahre nach seiner Entstehung veröffentlicht, steht Doyles Bericht im vorliegenden Buch in seinem historischen Kontext. Die beiden Herausgeber Jon Lellenberg und Daniel Stashower erläutern die Rolle von Doyles Reise im Gesamtzusammenhang seines Lebens und Schaffens und fügen diejenigen von Doyle geschriebenen Texte hinzu, die eindeutig von der Walfangreise beeinflusst sind. Neben Essays zählt dazu auch die Sherlock-Holmes-Geschichte "Der Schwarze Peter", in der ein Walfangkapitän und eine Harpuneeine wichtige Rolle spielen.

Attraktive visuelle Dimension

Besonderen Charme besitzen die Faksimile-Abbildungen von Doyles Manuskript. Der Schiffsarzt hielt seine Erlebnisse und Beobachtungen auch in Zeichnungen fest, die dem zumeist recht nüchternen Text eine sehr attraktive visuelle Dimension hinzufügt.

Arthur Conan Doyles Tagebuch seiner arktischen Reise bietet präzise Einblicke in einen interessanten Moment der Seewirtschaft und der Schifffahrt. Der mare Verlag hat dieses Dokument mit viel Aufwand aufbereitet und der Schifffahrtsgeschichte verfügbar gemacht. Ein Liebhaberstück, das viele Interessenten verdient. (APA, 3.4.2015)

  • Arthur Conan Doyle: "Heute dreimal ins Polarmeer gefallen. Tagebuch einer arktischen Reise", Aus dem Englischen von Alexander Pechmann, mare Verlag, 336 Seiten mit Illustrationen und Faksimiles, 28,80 Euro
    foto: ap photo/file

    Arthur Conan Doyle: "Heute dreimal ins Polarmeer gefallen. Tagebuch einer arktischen Reise", Aus dem Englischen von Alexander Pechmann, mare Verlag, 336 Seiten mit Illustrationen und Faksimiles, 28,80 Euro

Share if you care.