Studie: Bessere Überlebenschancen für unterkühlte Unfallopfer

31. März 2015, 10:49
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Forscher schaffen Grundlage für neue Wiederbelebungsrichtlinien bei schwer Unterkühlten mit Herzstillstand

Innsbruck/Bozen - Bei Unfallopfern mit Herzstillstand gilt allgemein die Regel, dass die begonnenen Wiederbelebungsmaßnahmen nicht unterbrochen werden dürfen, bis der Patient wieder Lebenszeichen aufweist oder der Tod festgestellt wird.

Eine neue Studie zeigt, dass im spezifischen Fall von stark unterkühlten Unfallopfern (Körperkerntemperatur unter 28°C) die Herzdruckmassage für den Transport im Gebirge immer wieder kurz unterbrochen werden kann, ohne das Überleben zu gefährden.

Durchgehende Wiederbelebung oft nicht möglich

In ausgesetztem Gelände stehen Bergretter bei der Behandlung von Patienten mit Herzkreislaufstillstand oft vor dem Dilemma, dass eine lückenlose Wiederbelebung während des Transportes in ein Krankenhaus nicht möglich ist. In den Alpen gab es in den vergangenen Jahren einige Fälle von stark unterkühlten Unfallopfern mit Herzstillstand, die trotz mehrmals unterbrochener Herzdruckmassage ohne bleibende Schäden überlebt haben. Rettungsdienste forderten deshalb eine Klärung des Sachverhaltes speziell für Unterkühlungsopfer mit Herzstillstand, da die derzeitige Regelung ausnahmslos eine lückenlose Wiederbelebung vorschreibt.

In der aktuellen Studie kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass bei der Wiederbelebung von stark unterkühlten Patienten kurze Pausen bei der Herzdruckmassage zugunsten des Transports gemacht werden können, ohne dass das Überleben dadurch in Gefahr gebracht wird oder mehr Hirnschäden auftreten. Kälte konserviert nämlich und deshalb toleriert der Körper bei tiefen Körpertemperaturen einen Herzstillstand wesentlich länger als bei normaler Körpertemperatur.

Fünf Minuten reanimieren, fünf Minuten transportieren

Das neue Konzept übernahmen die Forscher von der Herz- und Gefäßchirurgie. Dort werden Patienten in manchen Fällen absichtlich auf eine tiefe Körpertemperatur abgekühlt. So können die Chirurgen den Kreislauf für kurze Zeit unterbrechen, um die Eingriffe am Herzen oder an den großen herznahen Gefäßen durchführen zu können, ohne dass bleibende Hirnschäden befürchtet werden müssen.

"Wir haben in unserer Studie einerseits umfassende Fallanalysen durchgeführt, andererseits aber auch von der Herzchirurgie gelernt. Wir schlagen daher vor, dass Retter und Notärzte bei schwer unterkühlten Patienten die Herzdruckmassage zur Wiederbelebung für den Transport kurzzeitig unterbrechen dürfen", erklären Peter Paal von der Medizinischen Universität Innsbruck und Hermann Brugger vom EURAC-Institut für Alpine Notfallmedizin.

"In der Praxis heißt das: Wenn schwer unterkühlte PatientInnen (Körperkerntemperatur unter 28°C) mit Herzstillstand aus unwegsamem Gelände evakuiert werden müssen und eine kontinuierliche Wiederbelebung nicht möglich ist, kann man abwechselnd fünf Minuten reanimieren, fünf Minuten transportieren und dies solange im Wechsel, bis wieder eine kontinuierliche Herzdruckmassage möglich ist. Somit können Patienten aus entlegenen Gebieten unter Wiederbelebung zur Wiedererwärmung in ein Krankenhaus mit Herzlungenmaschine gebracht und müssen nicht aufgegeben werden", sind die Forscher überzeugt.

Neue Rettungsrichtlinien

Das Ergebnis der Studie soll nun die Grundlage für einen Paradigmenwechsel innerhalb der bislang gültigen Rettungsrichtlinien schaffen. Es ist geplant, die Erkenntnisse in die Richtlinien der Internationalen Kommission für Alpine Notfallmedizin (ICAR Medcom) und des Europäischen Rates für Wiederbelebung (European Resuscitation Council, ERC) noch in diesem Jahr aufzunehmen. (red, derStandard.at, 31.3.2015)

  • Bergretter stehen bei der Behandlung von Patienten mit Herzkreislaufstillstand oft vor dem Dilemma, dass eine lückenlose Wiederbelebung während des Transportes in ein Krankenhaus nicht möglich ist.
    foto: apa/barbara gindl

    Bergretter stehen bei der Behandlung von Patienten mit Herzkreislaufstillstand oft vor dem Dilemma, dass eine lückenlose Wiederbelebung während des Transportes in ein Krankenhaus nicht möglich ist.

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