Cameron: Bei Wahlsieg von Miliband droht das Chaos

30. März 2015, 17:49
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Markige Parolen prägen den offiziellen Beginn des Wahlkampfes zum britischen Unterhaus

Mit erbitterten Angriffen auf den Labour-Oppositionsführer hat der britische Premier David Cameron den offiziellen Beginn der Wahlkampagne markiert. Ein Sieg Edward Milibands bei der Unterhauswahl am 7. Mai würde dem Land "wirtschaftliches Chaos" bringen, sagte der Konservative am Montag. Der Labour-Chef sicherte bei einem demonstrativen Besuch im Finanzzentrum City of London den Wirtschaftsvertretern eine EU-freundliche Politik zu. Die von Cameron angestrebte Volksabstimmung über Großbritanniens Verbleib im Brüsseler Club stelle "eine klare Gefahr für die britische Wirtschaft" dar.

Obwohl die Auflösung des Parlaments längst beschlossene Sache war, fuhr Cameron am Montag zum Buckingham-Palast und wurde dort von Elizabeth II empfangen. Dann nutzte er die schwarze Tür von Downing Street 10 als Kulisse für seine Wahlkampfrede.

Knappe Umfrageergebnisse

Erkennbar ist den Torys der Schrecken in die Glieder gefahren. Dem normalerweise zuverlässigen YouGov-Institut zufolge liegt Labour mit 36 Prozent deutlich vor den Torys (32), die Liberaldemokraten kommen auf acht, die Nationalpopulisten von Ukip auf 13 Prozent. Offenbar reagierten die Befragten auf mehrere Fehler der Konservativen.

Zunächst hatte Cameron eine dritte Periode als Premier ausgeschlossen. Das brachte ihm Kritik ein, schließlich hat er die zweite Amtszeit noch nicht gewonnen. In der eigenen Partei sorgte die Aussicht auf die unvermeidlichen Diadochenkämpfe für Unruhe. Am letzten Sitzungstag des Parlaments scheiterte eine in letzter Minute eingebrachte Regierungsvorlage, die den Speaker zu Fall bringen sollte. Schließlich schnitt Cameron beim indirekten TV-Duell mit Miliband weniger gut ab als erwartet.

Der Labour-Chef, wird wegen seiner Kritik an Banken und Energieversorgern von Wirtschaftsvertretern misstrauisch beäugt. Mit der Betonung, Großbritannien solle "führendes Mitglied einer reformierten EU" bleiben, zielt Miliband deshalb auf einen Unsicherheitsfaktor der Konservativen. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 31.3.2015)

  • Bisher regiert das Chaos jedenfalls nicht: Vor dem Sitz des britischen Premiers in Downing Street 10 wurde am Montag artig gekehrt. Hier begann Stunden später auch offiziell der Wahlkampf für die Unterhauswahl am 7. Mai.
    foto: reuters / toby melville

    Bisher regiert das Chaos jedenfalls nicht: Vor dem Sitz des britischen Premiers in Downing Street 10 wurde am Montag artig gekehrt. Hier begann Stunden später auch offiziell der Wahlkampf für die Unterhauswahl am 7. Mai.

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