Hypo-Anklage: Streit zwischen Tilo Berlin und Investmentbanker

30. März 2015, 17:51
8 Postings

Staatsanwalt sieht "Scheinrechnungen" und "Scheinverträge"

Wien - Aus der jüngsten (nicht rechtskräftigen) Anklageschrift rund um die Hypo Alpe Adria, die sich u. a. gegen Ex-Aufsichtsratschef Wolfgang Kulterer, Exbankchef Tilo Berlin und Investmentbanker Heinrich Pecina sowie dessen VCP richtet, erschließt sich, wie zerstritten die handelnden Personen 2007 waren. In der Causa geht es, wie berichtet, um die Bezahlung von 3,8 Mio. Euro (ohne MwSt.) für die Fairness-Opinion, die die VCP für die Landesholding vor dem Hypo-Verkauf an die BayernLB erstellt hat. Bezahlt haben drei Hypo-Töchter.

Laut Anklage herrschte Zeitdruck, die VCP-Investmentbanker sollten der Landesholding bei der Aufsichtsratssitzung am 21. Mai 2007 aus dem Gutachten vortragen - sie wollten aber ihre 3,8 Mio. Euro zugesichert wissen. Doch die Landesholding (KLH) durfte ohne Ausschreibung maximal 60.000 Euro zahlen.

Zufälliges Treffen

Bei einem zufälligen Treffen Kulterers mit Pecina vor der Aufsichtsratssitzung am Klagenfurter Flughafen erklärte sich Kulterer laut Anklage also zur Übernahme der Kosten bereit. Bei einem "Vieraugengespräch" zwischen ihm und Berlin habe der Hypo-Aufsichtsratschef Berlin dann wegen der Fairness-Opinion "um eine Überbrückungshilfe für die Hypo ersucht". Der habe zwar laut Anklage bekundet, dass er "nicht einsehe, warum Berlin & Co das unterstützen sollte", habe dann aber "unwillig und sehr ungern zugestimmt, unter der Bedingung, dass die offenen Gremienfragen in der Bank ehestmöglich geklärt sind und die Berlin & Co aus der Verpflichtung entlassen ist".

Nach Kulterers Zusicherung war der Zeitplan wieder auf Schiene. Pecina habe sich bereit erklärt, das Ergebnis des Gutachtens vor dem KLH-Aufsichtsrat mündlich zu präsentieren. Zur Erinnerung: Der Kaufvertrag mit den Bayern wurde am 22. Mai unterschrieben.

Erfolglose Mahnschreiben

Vertragsrechtlich wurde das Ganze kompliziert, letztlich wurde die Zahlungsverpflichtung laut Anklage der Hypo zugeschoben. Einen Tag nach dem Closing des Hypo-Verkaufs, am 10. Oktober 2007, schickte die VCP ihre Rechnung an die Hypo. Deren neuer Chef, Berlin, habe sich aber "vorerst geweigert ... zu bezahlen, es kam zu einer massiven Verschlechterung des Gesprächsklimas" zwischen Berlin und Pecina. Ende November, "nach mehreren Mahnschreiben der VCP" sei es "in unfreundlicher Atmosphäre" zu einem Treffen am Flughafen Wien gekommen. Pecina habe Berlin "unverhohlen" eine Klage angedroht, sollte nicht bezahlt werden. Hintergrund: Die VCP hatte intern schon an Partner HSBC überwiesen.

Projekt Floating

Eine Lösung sei erst im Dezember gefunden worden, bei einem Meeting in Wien, an dem auch Kulterer (hatte damals keine Funktion mehr in der Hypo) teilnahm. Die Hypo Leasing Kärnten zahlte 969.000 Euro für "Projekt Floating", die Hypo International (HBInt) 2,1 Mio. Euro für "Projekt Klammer" und die Hypo Consultants Liechtenstein 1,25 Mio. Euro für "Projekt Adam" (das Geld dafür bekam sie von der HBInt). "Reine Scheinrechnungen" in den Augen der Justiz, mit denen die Fairness Opinion "rechtsgrundlos" mit der Hypo abgerechnet worden sei. Parallel dazu seien zum Teil rückdatierte "Scheinverträge" der VCP mit den Hypo-Töchtern geschlossen worden.

Die Beschuldigten bestreiten all das laut Anklageschrift "entschieden". Berlin habe etwa ausgesagt, in die Lösung des Problems nicht eingebunden gewesen zu sein. Es gilt die Unschuldsvermutung. (gra, DER STANDARD, 31.3.2015)

Share if you care.