Ende der EU-Milchquoten: Verdrängungswettbewerb

Kommentar30. März 2015, 17:03
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Auf der Strecke bleiben ökologische Nachhaltigkeit und Rücksicht auf Tierschutz

Alles regelt der freie Markt - und nicht immer zum Besten. Das war beim weitgehend unregulierten Finanzmarkt zu sehen, der nun mühsam gezähmt werden muss. Und das könnte demnächst bei der Milchwirtschaft zu beobachten sein.

Die Abkehr von der Quotenregelung samt völliger Liberalisierung der Milchproduktion in der EU wird einen beinharten Wettbewerb auslösen. Die schon jetzt zu beobachtende Überproduktion wird noch ausgeweitet; schließlich geht es darum, wer die Märkte künftig dominiert.

Der Wettbewerb wiederum führt zu immer größeren Betriebseinheiten, in denen billiger produziert werden kann. Das führt zwar beim Konsumenten zu konkurrenzlos niedrigen Preisen, gleichzeitig aber wird der Massentierhaltung Vorschub geleistet. Auf der Strecke bleiben ökologische Nachhaltigkeit und Rücksicht auf Tierschutz. Die kleinen bäuerlichen Strukturen, die auch die österreichische Produktion auszeichnen, werden es noch schwerer haben.

Niemand will eine Rückkehr zu den Milchseen, wie sie die Überproduktion vor der Quotenregelung hervorgebracht hat. Und die simplen Quoten, die ohnehin nie punktgenau eingehalten wurden und bei Überschreitung hohe Strafen auslösten, waren auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber eine vernünftige Regelung, bei der die europäische Milchwirtschaft mit ihren bäuerlichen Interessen vernünftig ausbalanciert wird, müsste doch möglich sein.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 31.3.2015)

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