Griechenland: Gute Umfragewerte für Tsipras

30. März 2015, 16:33
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Mehrheit befürwortet Initiative, von Deutshcland Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg zu verlangen

Athen - Seit etwas mehr als zwei Monaten ist die griechische Links-Rechts-Regierung unter Syriza-Premier Alexis Tsipras im Amt. Während in manchen EU-Kreisen vor allem die Versäumnisse des mit großen Reformplänen angetretenen Kabinetts kritisiert werden, ist die griechische Bevölkerung geduldiger. Auch wenn es durchaus skeptische Stimmen gibt, sieht eine Mehrheit die bisherige Leistung noch immer positiv.

Zweifel gibt es laut einer Enquete des Meinungsforschungsinstituts MARC für den Fernsehsender Alpha freilich daran, ob der Koalitionsregierung aus der linken Syriza und ihrem Juniorpartner, der rechtspopulistischen Anel-Partei, Effizienz bei den Verhandlungen mit den europäischen Partnern bescheinigt werden kann. Die Angst vor einer Staatspleite und der Gefahr eines "Grexit", also eines Austritts aus der Eurozone, spukt so manchem Griechen weiter im Kopf herum.

Diese Verunsicherung schlägt sich auch in den Umfragen nieder. Waren Anfang Februar noch 79,2 Prozent vom Programm der Tsipras-Regierung überzeugt, ist die Zustimmung mittlerweile doch gesunken. Syriza-kritische Medien wie die konservativ-liberale Zeitung "Kathimerini" schreiben mittlerweile sogar davon, dass nur noch rund 56 Prozent der Bürger der Ansicht sind, dass die Regierung ihre Arbeit wirklich gut macht.

Dennoch ist der Rückhalt für Tsipras und Co. in der Wählerschaft offenbar nach wie vor groß. Laut MARC würden bei Wahlen derzeit 40,2 Prozent der Befragten der Regierungspartei SYRIZA ihre Stimme geben. Das sind mehr als bei der Wahl Ende Jänner. Laut der linksorientierten und regierungsnahen Zeitung "Avgi" soll dieser Wert sogar bei 42,8 Prozent liegen. Für die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia von Tsipras-Vorgänger Samaras würden lediglich 16 bis 21 Prozent stimmen.

Immerhin scheint es dem Kabinett mit Premier Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis als Protagonisten gelungen zu sein, in der Bevölkerung so etwas wie Optimismus zu wecken, vor allem bezüglich der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die im Wahlkampf versprochen worden war.

Es wird allgemein erwartet, dass die Regierung trotz aller düsteren Prognosen ihre Versprechen einhalten wird. Positiv wird auch gesehen, dass Athen nunmehr gewillt ist, den Partnern in der EU auch die Stirn zu bieten, zumal die von dort ausgehende Austeritätspolitik auch als ein Grund für die soziale Misere gesehen wird, von der Teile der Bevölkerung in den vergangenen Jahren erfasst wurden.

Insbesondere die deutsche Regierung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble wird kritisiert. Die deutschen Politiker gelten mehrheitlich als "unnachgiebig und provokativ". Zudem wird ihnen vorgeworfen, sich die Unterwerfung Griechenlands zum Ziel gesetzt zu haben.

Daher befürwortet eine Mehrheit der Griechen auch die Initiative ihrer neuen Regierung, von Berlin Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg zu verlangen. Es wird als eine von wenigen Möglichkeiten gesehen, den Deutschen Paroli zu bieten. Vor allem Kommentatoren von linksliberalen Medien zeigen sich darüber erfreut, dass Tsipras Merkel auf einer gleichen Ebene begegne. Griechenland trete nicht mehr als der "arme Verwandte in Europa" auf, sondern verfüge sogar über mehr "Verhandlungswaffen", als viele geglaubt hätten, hieß es unter anderem. (APA, 30.3.2015)

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