Abschaffung der Milchquote sorgt für Bauchweh

31. März 2015, 08:38
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Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter sieht nun boomende Möglichkeiten für heimischen Milch und Käse in China

Wien - Mit April werden die EU-Milchquoten abgeschafft, der Milchmarkt wird liberalisiert. Besonders die industrielle Milcherzeugung feiert dieses Datum, schließlich erhofft sich die Branche eine Ausweitung des Geschäfts: durch preisliche Verdrängung am Inlandsmarkt und durch Exporte ins Ausland.

Österreich hat in den letzten Jahren die Milchproduktion stark ausgeweitet. Der Selbstversorgungsgrad bei Konsummilch stieg von etwas über hundert Prozent in den 90er-Jahren auf 167 Prozent im Jahr 2013, so die Agrarmarkt Austria. Die Milchpreise für die Bauern sind seit dem Vorjahr um fast 20 Prozent gesunken.

Allein in der Steiermark wurden laut Kleiner Zeitung von den drei großen Verarbeitergenossenschaften (Berglandmilch, Obersteirische Molkerei und Ennstalmilch) fast 100 Mio. Euro in die Verarbeitung investiert.

Überproduktion

Solche Zusatzmengen sollen in den Export gehen, was sich aber als schwieriger erweist als am Schreibtisch erdacht. Die Ausfuhren zu steigern ist erklärtes Ziel auch einer Reihe anderer EU-Staaten, vor allem Deutschland. Der russische Hoffnungsmarkt ist aufgrund des Putin-Embargos versperrt. Jetzt fokussiert sich alles auf China. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der erst kürzlich im Land der Mitte war, sieht boomende Möglichkeiten für Milch und Käse: China werde "Milch aus Europa absaugen", sagte er. Doch dürfte der Export nach China keine g'mahte Wies'n sein: China hat selbst Strukturen aufgebaut, und vor allem haben neuseeländische Molkereien den chinesischen Markt für sich entdeckt.

Hohe Qualität

Es ist das Qualitätsargument, mit dem die Branche in Österreich gegenüber der Konkurrenz punkten will. Schließlich gehen schon heute 48 Prozent der Milch als Käse oder Joghurt in den Export. Man habe sich da eine sehr gute Position erarbeitet, erläuterte Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes (ÖVP) kürzlich. Er verweist auf gentechnikfreie Fütterung, hohe Hygienestandards und keine Antibiotika.

Teure Standards

Gerade diese - teuren - Standards könnten bei einem liberalisierten Markt, der fast ausschließlich über den Preis tickt, gefährdet sein. Dies befürchtet der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber. "Die Milchindustrie will Milch als billigen Rohstoff. Wir wollen Milch dort produziert sehen, wo es Sinn macht: in Bergregionen, auf Dauergrasland in Grünlandregionen, aber nicht in Betonhallen in Hafennähe mit importiertem Sojafutter aus Lateinamerika und den USA", meint er scharf in einer Aussendung.

Gefährdete Almbewirtschaftung

Die ÖVP-EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger sorgt sich um die Almbewirtschaftung. In Österreich würden 88 Prozent der Kuhmilch in benachteiligten Regionen wie Berggebieten produziert, dies müsse auch beim Auslaufen der Quote so bleiben. Negative Auswirkungen für die Milchbauern sollen deshalb abgefedert werden, so Rupprechter. Schwerpunkt ist dabei die Förderung für Betriebe in Almregionen und anderen benachteiligten Gebieten.

Für die bis April über der Quote angelieferte Milch werden die Bauern, so wie in den Vorjahren auch, heuer wieder zahlen müssen. Gerechnet wird mit 40 bis 42 Millionen Euro Strafzahlungen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 31.3.2015)

  • Das Ende der Quotenregelung in der EU könnte vor allem der Almbewirtschaftung schaden.
    foto: apa/hildebrand

    Das Ende der Quotenregelung in der EU könnte vor allem der Almbewirtschaftung schaden.

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