Kritik: Disco wirbt mit "Innviertler Hasenjagd"

30. März 2015, 14:52
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Disco in Ried im Innkreis weist mit Sujet auf Veranstaltung hin - "Verhöhnung der Opfer der Mühlviertler Menschenhatz" - Grüne: "Entgleisung"

Wien/Ried im Innkreis - Eine "Innviertler Hasenjagd" soll am Osterwochenende in einer oberösterreichischen Dorfdiskothek stattfinden. Was damit gemeint ist, wird beim Plakatsujet, auf dem eine Frau mit Bunny-Ohren abgebildet ist, ziemlich klar - zu sehen ist es hier. Der Discobetreiber erntet dafür heftige Kritik. Nicht nur aufgrund des frauenverachtenden Inhalts, sondern auch wegen der Ähnlichkeit mit der so genannten "Mühlviertler Hasenjagd", die im Jahr 1945 Hunderte Opfer forderte.

"Mit Dummheit allein oder Ignoranz kann man die Werbung nicht entschuldigen", meint der Grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser in einer Aussendung: "Der Begriff 'Mühlviertler Hasenjagd' stammt von der SS und bezeichnete verharmlosend ein grauenhaftes Verbrechen gegen fast 500 aus dem Konzentrationslager Mauthausen entflohene sowjetische Offiziere, die auf grausame Art unter Mithilfe der Bevölkerung gejagt und ermordet wurden", so Walser. Und: "Gerade in Oberösterreich ist es wichtig, mit der Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen verantwortungsvoll umzugehen."

Bereits zuvor hatte Robert Eiter, Vorstandsmitglied des Mauthausen-Komitees und Sprecher des Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus, das Sujet heftig kritisiert. Zu den "Oberösterreichischen Nachrichten" sagte er: "Ob es beabsichtigt ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber diese Werbung ist eine Verhöhnung der Opfer der Mühlviertler Menschenhatz. Bei dem Ausbruch aus dem KZ Mauthausen sind damals mehrere Hundert Menschen gestorben. So etwas ist in höchstem Maße unakzeptabel. Die Veranstalter wären gut beraten, dieses Plakat so schnell wie möglich zu entfernen."

Zumindest auf Facebook hat der Discobetreiber reagiert und aus der "Innviertler Hasenjagd" das "Innviertler" gestrichen. Weniger sexistisch wird es dadurch aber nicht. (red, derStandard.at, 30.3.2015)

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