Carl E. Schorske erhält Großes Goldenes Ehrenzeichen der Republik

30. März 2015, 12:23
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Kulturhistoriker wurde durch sein Werk "Fin-de-Siècle Vienna" berühmt

Wien/New York - Der renommierte US-Kulturhistoriker Carl E. Schorske ("Wien - Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle") ist am Sonntag in Princeton zwei Wochen nach seinem 100. Geburtstag mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet worden. Der heute in einem Altersheim in New Jersey lebende Wissenschafter nahm die Ehrung im Kreis seiner Familie entgegen.

Neben der Familie waren zahlreiche Wegbegleiter und Kollegen zu der Feier gekommen, bei der Kulturminister Josef Ostermayer das Ehrenzeichen überreichte. Schorske habe mit seinem Hauptwerk "einen wesentlichen Beitrag zur Kulturgeschichte Österreichs geleistet", so der Minister in seiner Rede.

"Das eindrucksvolle, kreative Milieu, das Wien um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert entwickelt hat, haben Sie entdeckt und auf den Punkt gebracht. (...) Heute wird die Wiener Moderne in der Kulturgeschichte im selben Atemzug genannt wie das Athen Perikles', das Venedig Tizians, das Florenz Botticellis, dem Paris der Impressionisten und dem New York Andy Warhols - und das haben wir Ihnen zu verdanken."

Schorske bedankte sich gerührt für die selten vergebene Auszeichnung, mit der vor ihm u.a. die Dirigenten Claudio Abbado und Lorin Maazel, der Philosoph Karl Popper oder der Quantenphysiker Anton Zeillinger gewürdigt wurden: "Ich bin sehr dankbar für diese Ehrung, Wien und Österreich waren für mich der Bezugspunkt zu Europa."

Werdegang

Carl Schorske wurde am 15. März 1915 in New York geboren. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Werks "Fin-de-Siècle Vienna", das ihm 1981 den Pulitzerpreis einbrachte und ihn schließlich berühmt machte, war er bereits 65 Jahre alt und emeritierte im gleichen Jahr. Obwohl der international anerkannte Historiker, der 1950 an der Harvard University promoviert wurde, über eine ganze Latte an wissenschaftlichen Publikationen verfügt - u.a. beschäftigte er sich mit dem Zustand im Nachkriegsdeutschland ("Eastern and Western Orientation in German Foreign Policy, 1947) ebenso wie mit Gustav Mahler ("Eine österreichische Identität: Gustav Mahler", 1996) -, ist es gerade das "Pionierwerk" des Wiens um 1900, das immer wieder Aufsehen erregt.

Für den Wiener Historiker Gerald Stourzh hat Schorske damit herkömmliche historische Methoden hinter sich gelassen und "wahrhaft transdisziplinär aus historischen, literarischen, aus Architektur-und Bildquellen, aus der Musik, aus psychoanalytischen Materialien ein Ganzes geformt". Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt in Österreich im Jahr 2012 war Schorske zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt worden. (APA/red, derStandard.at, 30.3. 2015)

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    foto: apa/herbert neubauer
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