Zeman verteidigt Teilnahme an Militärparade in Moskau

30. März 2015, 12:15
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"Aus Dankbarkeit dafür, dass man heute in Tschechien nicht Deutsch sprechen muss"

Prag - Der tschechische Staatspräsident Milos Zeman hat seine geplante Reise nach Moskau anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Kriegsendes verteidigt. Zeman begründete seine Teilnahme an der traditionellen Militärparade am 9. Mai im Rundfunksender "Frekvence 1" mit Dankbarkeit dafür, dass man heute in Tschechien nicht Deutsch sprechen und den Gruß "Heil Hitler!" verwenden müsse.

"Ich fahre nicht wegen der Waffenparade hin. Ich fahre hin, um die 150.000 gefallenen Soldaten zu ehren", erklärte Zeman in Anspielung auf die bei der Befreiung der Tschechoslowakei gefallenen sowjetischen Soldaten. Es handle sich um einen "Ausdruck der Dankbarkeit dafür, dass wir in diesem Land nicht Deutsch sprechen müssen", was der Fall wäre, "wenn wir gehorsame Kollaborateure arischer Herkunft wären. Dass wir nicht Heil Hitler, Heil Himmler, Heil Göring, eventuell auch Heil Heydrich - und das wäre besonders interessant - sagen müssen", so Zeman.

Merkel in Moskau

In diesem Zusammenhang verwies der tschechische Präsident darauf, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am 10. Mai nach Moskau fahren werde, um mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin zu sprechen. Demgegenüber werde es am 9. Mai keine Zeit für Gespräche mit den Gästen geben.

Zeman schließt sich damit nicht dem Boykott mehrerer westlicher Politiker an, die mit ihrer Abwesenheit in Moskau gegen die russische Politik in der Ukraine-Krise und die Annexion der Krim protestieren wollen. Die Entscheidung Zemans ist in Tschechien umstritten. Nicht nur die oppositionellen Rechtsparteien, sondern auch mehrere Koalitionspolitiker, darunter der sozialdemokratische (CSSD-) Außenminister Lubomir Zaoralek und die mitregierende Volkspartei (KDU-CSL), kritisieren die Teilnahme des Staatschefs an der Militärparade in Moskau.

Kritiker verweisen unter anderem darauf, dass auch der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un an den Feierlichkeiten teilnehmen wird. Dazu sagte Zeman, er werde ihm nicht die Hand reichen und auf einem eventuellen Familienfoto "so weit wie möglich" von Kim entfernt stehen. (APA, 30.3.2015)

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