Sohn von Mafia-Paten hält Vorträge für US-Touristen in Palermo

29. März 2015, 11:02
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Großer Erfolg für Angelo Provenzano - Proteste auf Sizilien

Palermo - Angelo Provenzano, Sohn der langjährigen Nummer eins der sizilianischen Cosa Nostra, Bernardo Provenzano, hält für US-Touristen in Palermo Vorträge zum Thema Mafia. Der 39-Jährige berichtet dabei jeden Samstag über das Leben mit seinem Vater, der sich mehr als 40 Jahre lang vor der Polizei versteckt hielt. Kritik kommt nun von der Justiz und Anti-Mafia-Verbänden.

Die Vorträge finden im Luxushotel Plaza Opera statt, berichtete die in Rom erscheinende Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag. Das Publikum besteht aus wohlhabenden US-Touristen, die beim Reiseveranstalter "Overseas Adventure Travel" in Boston eine Sizilien-Tour gebucht haben.

"Geschichte der Region"

"Unsere Gäste sind über 60 Jahre alt und wollen die Geschichte der Region kennenlernen, die sie besuchen. Sie treffen auch Flüchtlinge, die auf Sizilien ankommen. Wir veranstalten keine Mafia-Touren, sondern zeigen unseren Gästen das wahre Sizilien", erklärte Salvo Cascino, der regionale Organisator der Tour.

"Die Figur des Mafia-Paten Provenzano darf nicht verherrlicht werden", warnte der sizilianische Anti-Mafia-Staatsanwalt Leonardo Agueci. Mitglieder von Anti-Mafia-Verbänden riefen den Tourveranstalter auf, Vorträge mit den Angehörigen der Cosa-Nostra-Opfer zu organisieren.

"Boss der Bosse"

Bernardo Provenzano, ehemaliger Chef der Cosa Nostra, war im April 2006 in seinem sizilianischen Heimatdorf Corleone verhaftet worden. Die Polizei hatte ihn 43 Jahre lang gesucht. Der heute 81-Jährige galt als der meistgesuchte italienische Mafia-Pate. Der "Boss der Bosse" soll laut Aussagen von Mafia-Aussteigern in mindestens 40 Morde verwickelt gewesen sein. Mehrmals wurde er während seiner Flucht in Abwesenheit zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Er soll auch Drahtzieher von internationalem Drogenhandel und Geldwäsche sein.

Sein Sohn Angelo, gegen den niemals wegen Mafia-Zugehörigkeit ermittelt wurde, verteidigt sich: "Ich habe das Recht auf ein normales Leben. Für mich sind die Vorträge eine Gelegenheit, um im Tourismusbereich zu arbeiten", sagte Provenzano junior. (APA, 29.3.2015)

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