Spielgerät am magischen Schnürchen des Kollektivs

Infografik28. März 2015, 15:04
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Das ÖFB-Team zelebriert beim 5:0 in Liechtenstein die neu gewonnene spielerische Souveränität

9 Sekunden, 9 Ballberührungen, 7 beteiligte Spieler: Hinter diesen statistischen Details verbirgt sich die Entstehung des 4:0 in der 74. Minute. Eingeleitet wurde der Treffer durch einen Out-Einwurf der Liechtensteiner. Was anschließend passierte, stellte eine symptomatische Verdichtung der 90 munteren Minuten von Vaduz dar: Zwischen Fuchs’schem Turnover und Junuzovics Vollstreckung flipperte das Spielgerät geradezu am magischen Schnürchen durch die rotweißroten Reihen.

Nominierungsverdächtig für Kategorie wichtigste Nebenrollen: der Standrückzieger von Arnautovic, der Fersler von Junuzovic sowie Jankos finale Kopfballvorlage. Von ebener Erde bis in den ersten Stock ließ man weder etwas aus, noch brannte etwas an. Insgesamt glänzte das österreichische Teamwork von der Balleroberung über das Herausspielen von Chancen bis hin zum konsequenten Unterbinden möglicher Konter durch kollektive Wachheit, spielerische Präzision und stetes Bemühen um den "zweiten Ball" in den seltenen Fällen von dessen Verlust.

Anzahl der Pässe in 5-Minuten-Abschnitten

Die Passstruktur verdeutlicht die Grundlage jener Souveränität, die Österreich in der Rolle des Spielgestalters an diesem Abend deutlich heller strahlen ließ als noch im Herbst bei ähnlich gelagerte Ausgangslage in der Republik Moldau: das systematische Ineinandergreifen von Robustheit und Elastizität.

Im Spielaufbau dominieren vertikale Impulse, die jedoch auf stabilen Dreiecksbeziehungen beruhen. Gegen Liechtenstein demonstrierte das Team (auch begünstigt durch die zurückhaltende Deckungsarbeit der Gastgeber) seine Fähigkeit, blitzschnell kollektive Spiel- und Handlungsräume in den Lücken der gegnerischen Defensive aufzuspüren und diese schließlich auch konsequent zu nützen.

Insofern hatte auch der fünfte und letzte Streich in der allerletzten Minute in seinem Entstehen etwas Symptomatisches: Als hätte es gegolten, einen knappen Rückstand wettzumachen, überwand das Team die wohlverdiente Müdigkeit und trug den Ball in wenigen Augenblicken vom eigenen Strafraum ins gegnerische Gehäuse. Und kaum jemand hätte für diesen kollektiven Ausnahmezustand ein schöneres Schlusswort formulieren können als der vollkommen überwältigte Spontanpoet Arnautovic: "Es ist eine große Last über mich hergefallen!" (Helmut Neundlinger, derStandard.at, 28.3. 2015)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Agnes Chorherr, Andrea Werdenigg und Ruth Pfosser.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Umsetzung für derStandard.at: Markus Hametner

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