Jemens Huthi-Rebellen rücken weiter auf Aden vor

28. März 2015, 16:14
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Dutzende Tote laut Human Rights Watch - Huthis nahmen Hafenstadt Shakra ein - Diplomaten aus Sanaa und Aden evakuiert

Sanaa - Mit Luftangriffen versucht die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz im Jemen, den Vormarsch der schiitischen Huthi-Rebellen auf die wichtige Hafenstadt Aden aufzuhalten. Nach Angaben von Einwohnern wurde ein Rebellen-Konvoi dadurch am Samstag zunächst aufgehalten. In der Hauptstadt Sanaa wurden den dritten Tag in Folge Ziele aus der Luft bombardiert, darunter auch ein Flughafen.

Mehrere arabische Staaten und die Vereinten Nationen (UN) brachten ihre Diplomaten aus dem umkämpften Land in Sicherheit. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte auf dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga im ägyptischen Sharm el Sheikh, der einzige Weg, den Jemen vor einem Dauerkonflikt zu bewahren, seien von der UN koordinierte Gespräche.

Rebellen schicken Verstärkung

Seit Donnerstag greifen Kampfflugzeuge Stellungen der Huthis, die vom Iran unterstützt werden, im Jemen an. Bisher sind die Erfolge begrenzt. Einwohner Adens berichteten, zwar sei ein Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen, Panzern und Lastwagen auf dem Weg in die Hafenstadt gestoppt. Allerdings schickten die Rebellen bereits Verstärkung.

Dutzende Tote

Die Luftangriffe haben bereits Dutzende Todesopfer gefordert. Allein in der Hauptstadt Sanaa seien bis zu 34 Menschen gestorben, teilte die Menschenrechtsorganisaton Human Rights Watch (HRW) am Samstag mit. Elf Tote seien bereits identifiziert worden, unter ihnen zwei Frauen und zwei Kinder.

Am Freitag waren am Flughafen von Aden mindestens acht Menschen getötet worden. Am Samstag waren aus einem Waffendepot heftige Explosionen zu hören. Augenzeugen berichteten von Toten und Verletzten. Die Behörden von Aden gaben an, seit dem Beginn der Offensive am Donnerstag seien 61 Menschen getötet worden. Auch in Sanaa soll es dutzende Tote geben.

Aus Aden holte die saudi-arabische Marine nach einem Bericht des staatlichen TV-Senders Al Echbarija Dutzende Diplomaten mehrerer Länder ab und brachte sie in die saudi-arabische Hafenstadt Jidda. Nach der Eroberung der Hauptstadt Sanaa, die sich seit September unter Kontrolle der Rebellen befindet, hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait ihre Botschaften nach Aden verlegt. In Sanaa begannen die UN damit, über 100 Mitarbeiter auszufliegen. Sie sollten auf mehrere Länder der Region verteilt werden, darunter Jordanien, sagte ein UN-Mitarbeiter.

"Sicherheit des Volkes" als Ziel

Saudi-Arabien will seinen Militäreinsatz im Jemen fortsetzen, bis wieder Sicherheit im Land herrscht. Der Einsatz werde weitergeführt, "bis er sein Ziel erreicht, dass das jemenitische Volk wieder Sicherheit genießt", sagte der saudi-arabische König Salman am Samstag zum Auftakt des Gipfeltreffens der Arabischen Liga im ägyptischen Sharm el Sheikh.

Jemens Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi bezeichnete die schiitischen Houthi-Rebellen auf dem Treffen der Arabischen Liga als "Marionetten des Iran". Viele Staaten in der Region fühlen sich bedroht. Kuwaits Emir Scheich Sabah Al-Ahmed Al-Sabah bezeichnete den Vormarsch der Huthis als "Gefahr für unsere Sicherheit". Die sunnitischen Herrscherhäuser auf der arabischen Halbinsel unterstützen Hadi und seine sunnitischen Gefolgsleute im Kampf gegen die Schiiten-Miliz. Nach Angaben eines Golf-Diplomaten ist der Einsatz der Allianz auf etwa einen Monat angesetzt. Er könnte aber auch fünf oder sechs Monate dauern.

Obama sagt Unterstützung zu

US-Präsident Barack Obama betonte am Freitag in einem Telefonat mit dem saudischen König seine Unterstützung für das Vorgehen der Koalition.

Der den Huthis nahe stehende frühere jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh rief am Freitag zu einem Ende der Kämpfe und einem Dialog auf. Laut der Website Yemen Press plädierte Saleh für die Wiederaufnahme der Gespräche der jemenitischen Konfliktparteien unter UNO-Vermittlung. Die Gespräche sollten aber außerhalb des Landes stattfinden.

Irans Außenminister Mohammed Jawad Zarif warnte, "strategische Fehleinschätzungen und übermotivierte Ambitionen einiger Länder" könnten für die Region verheerende Folgen haben. Die Huthis sollen in dem Konflikt Unterstützung vom schiitischen Iran erhalten. Mit dem Militäreinsatz "Sturm der Entschlossenheit" will Saudi-Arabien auch den Einfluss Teherans in der Region eindämmen. (APA, Reuters, 28.3.2015)

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