Missbrauch in der Kirche: Friedensgespräche

Kommentar27. März 2015, 17:51
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Die Studie darf nicht der Schlussstrich unter der Aufarbeitung sein

Was in den letzten Jahrzehnten im Stift Kremsmünster passiert ist, macht mitunter sprachlos. Vielleicht aber gibt es auch einfach die passenden Worte nicht, um das unglaubliche Leid zu beschreiben, das so viele Kinder hinter den Klostermauern erfahren mussten. Der heilige Schein hat viele lange geblendet: Nach außen das Elitegymnasium – und hinter verschlossenen Türen verstiegen sich Patres zu den abscheulichsten Missbrauchshandlungen.

Für derlei Taten gibt es auch keine adäquate Wiedergutmachung. Kein "mea culpa", keine Entschädigungszahlung kann diese tiefen Verletzungen der Seele vollständig heilen. Im Idealfall bleiben Narben, im schlimmsten Fall offene Wunden.

Für die vielen Opfer wird das Bemühen der Ordensleitung daher immer ausbaufähig sein. Sich aber nach Jahren des Vertuschens so offen und schonungslos der eigenen Vergangenheit zu stellen, wie das Stift Kremsmünster es jetzt tut, hat sowohl im Kirchen- als auch im Staatsbereich Seltenheitswert. Zur Erinnerung: Die jüngste Studie zu den Missbrauchsfällen wurde vom Stift in Auftrag gegeben. Und das Ergebnis verschwand nicht im Stiftskeller.

Letztlich darf aber auch die Studie nicht der Schlussstrich unter der Aufarbeitung sein. Ein verzeihender Friede braucht den ständigen Dialog. Denn die lebendige Erinnerung ist der Grundstein für eine Präventionsarbeit. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 28.3.2015)

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