Hypo: Anklage gegen Investmentbanker Pecina

27. März 2015, 17:55
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Der Staatsanwalt will wegen eines Honorars gegen Ex-Hypochefs und Investmentbanker Heinrich Pecina sowie dessen VCP vorgehen

Wien - In der Causa Hypo Alpe Adria gibt es seit voriger Woche eine neue (wohlgemerkt: nicht rechtskräftige) Anklage der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Sie erhebt u. a. gegen den früheren Bankaufsichtsrat K. und Exbanker B. sowie gegen den Wiener Investmentbanker Heinrich Pecina und seine Vienna Capital Partners (VCP; ist gemäß Verbandsverantwortlichkeitsgesetz beschuldigt) den Vorwurf der Untreue bzw. Anstiftung dazu. In der Sache geht es um das Honorar für eine Fairness-Opinion, die die VCP anlässlich des Verkaufs der Landesbank an die BayernLB erstellt hat. Selbiges haben Hypo-Gesellschaften bezahlt, obwohl es hauptsächlich der Kärntner Landesholding zugute gekommen sei, argumentiert der Staatsanwalt.

Es geht um 3,8 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer; insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einem Schaden für die Hypo von rund 4,3 Millionen Euro aus.

Alter Geschäftspartner

Kurz zur Erinnerung: Die VCP hat die einstige Kärntner Landesbank mit der HSBC gemeinsam jahrelang in Kapitalmarkt-Angelegenheiten beraten. Beim Verkaufsprozess der Bank hatte sich Pecina für den Einstieg der Corsair starkgemacht und gegen die Investorengruppe Berlin ausgesprochen - die dann aber tatsächlich zum Zug kommen sollte.

Im Rahmen des Weiterverkaufs an die Bayern (Mitte 2007) erstellte die VCP dann für die Kärntner Landesholding die Fairness-Opinion; also jenes Gutachten, das den geplanten Deal aus Sicht der Hypo-Mehrheitseignerin Landesholding eingeordnet hat. Auch die BayernLB bestand auf Erstellung eines solchen Gutachtens.

Hypo zahlt Rechnungen

Allerdings: Die VCP-Rechnungen haben eben Töchter der Hypo Alpe Adria bezahlt. Daraus leitet die Staatsanwaltschaft ihren Verdacht auf Untreue ab. Aufsichtsrat K. und Pecina hätten "in der zweiten Hälfte 2007 die Banker K. und B. durch mehrfache Aufforderung und Drängen zur Übernahme der Kosten für die Fairness-Opinion und Ausbezahlung eines Betrages von 4.319.600 Euro an die VCP (...) zur Ausführung der (...) strafbaren Handlung bestimmt", heißt es in der Anklageschrift. Die Anklage ist nicht rechtskräftig; für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Die Landesholding konnte den Betrag nicht zahlen, schon allein, weil sie den Auftrag hätte ausschreiben müssen. Also habe K. "den Entschluss gefasst, die Kosten für die von der Landesholding als Hauptnutznießer der (...) Transaktion (...) dringend nötige und von ihr zu bezahlende Fairness-Opinion" auf die Hypo "überzuwälzen". Für die Bank "war die Stellungnahme nutzlos, ohne jeden Wert". Ein "Konstrukt an Scheinrechnungen" habe dazu gedient, die Zahlungen zu verschleiern. Laut Akten hat Pecina einiges zur Erhellung der Causa beigetragen.

Pecina bereut "Unsauberkeit"

Die VCP hat ihr Honorar (dessen Höhe der Gerichtsgutachter nicht beanstandet) in drei Rechnungen für Projekte aufgedröselt. Etwa für "Projekt Adam", laut dem die VCP die Hypo beim Verkauf der Consultants Liechtenstein beraten habe. Dieses Projekt gab es aber "de facto gar nicht", sagte Pecina dem Staatsanwalt. Er habe die Fairness-Opinion Ende 2007 abgerechnet und die Rechnung "auf Vorgabe der Bank" (damals von Tilo Berlin geführt) geteilt.

Die VCP habe "entsprechende Leistungen erbracht", sich nicht unrechtmäßig bereichert. Laut einem seiner Juristen sieht Pecina die Hypo als seinen Vertragspartner; auch sie habe die Fairness-Opinion dringend gebraucht. Sein Fehler sei nur gewesen, die Rechnung zu teilen. Das sei eine "Unsauberkeit, die Pecina bereut". (Renate Graber, DER STANDARD, 28.3.2015)

  • Vor dem Verkauf der Landesbank unter Jörg Haider (li.) an die BayernLB unter Werner Schmidt wurde eine Fairness-Opinion erstellt. Wegen ihrer Bezahlung soll es nun eine Anklage geben.
    apa/gert eggenberger

    Vor dem Verkauf der Landesbank unter Jörg Haider (li.) an die BayernLB unter Werner Schmidt wurde eine Fairness-Opinion erstellt. Wegen ihrer Bezahlung soll es nun eine Anklage geben.

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