Bedingte Haft für Salzburger Waffensammler

27. März 2015, 18:02
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Militärgeschichte-Fan hortete mehrere Tonnen Kriegsmaterial in Golling und Bayern

Salzburg - "Seine Sammelleidenschaft artete ins Uferlose aus", brachte es Verteidiger Peter Huber auf den Punkt. Sein Mandant, ein 43-jähriger Gollinger, sammelte Kriegsmaterial und Waffen. Mehrere Tonnen Übungsgranaten, Panzerminenzünder, Waffen und Munition stellte die Polizei bei ihm sicher.

Am Freitag musste sich der Sammler am Salzburger Landesgericht wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Gemeingefährdung vor Einzelrichterin Daniela Meniuk-Prossinger verantworten. Er zeigte sich geständig und wurde zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Die Sammlung des Gollingers war nach einem Unfall im Jänner 2014 aufgeflogen: Als er eine K98-Patrone im Keller seines Wohnhauses öffnen wollte, explodierte diese.

Verbrennungen im Gesicht

Der 43-Jährige zog sich dabei schwere Verbrennungen im Gesicht, am Rücken und an den Händen zu. "Ich wollte aus der Gewehrpatrone das Pulver rausholen - das machen Jäger und Sportschützen andauernd", schilderte der Angeklagte den Unfallhergang. Als er das Pulver ausleerte, habe er zunächst nur ein kleines Flämmchen gesehen, dann habe ihn plötzlich eine Stichflamme getroffen.

Bereits nach dem Unfall zeigte sich der Gollinger kooperativ und nannte den Ermittlern sämtliche Lagerorte der Kriegsrelikte. Die Polizei machte im Wohnhaus des Angeklagten, in der Scheune und der Garage seiner Mutter in der Folge ein Waffenlager aus. Auch hatte der Mann, der offenbar mit den Militaria handelte, ein weiteres Depot in Teisendorf in Bayern.

"Es tut mir leid", versicherte der Beschuldigte am Freitag vor Gericht. "Ich wusste, dass es gefährlich ist, aber ich habe mir nie gedacht, dass mir etwas passieren könnte." Die Sammelleidenschaft liege in der Familie, erklärte er auf Nachfrage der Richterin. "Als Kind habe ich Mineralien gesammelt, dann hat mich auch die Militärgeschichte sehr interessiert"; er selber hat Geschichte studiert. Im Sammeln und Suchen von Kriegsmaterial habe er Trost gesucht, um Schicksalsschläge in der Familie zu verarbeiten.

Waffen alle eingezogen

"Dass die Sache brandgefährlich war, ist ihm jetzt bewusst", unterstrich der Verteidiger das Geständnis des Gollingers und bat um ein mildes Urteil. Die Richterin machte kurzen Prozess; bereits nach 15 Minuten sprach sie das Urteil: drei Monate bedingte Haft für den 43-Jährigen. Sämtliche Kriegsmaterialien und Waffen werden eingezogen.

Für die Richterin überwogen die Milderungsgründe, allen voran das umfassende reumütige Geständnis. "Der wirklich Leidtragende waren Sie selbst und Gott sei Dank keine anderen Personen", sagte sie bei der Urteilsverkündung. Der Spruch ist rechtskräftig. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 28.3.2015)

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