Die Idee einer arabischen Armee wird konkreter

27. März 2015, 18:06
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Vor diesem Hintergrund der Angriffe gegen die Huthi-Miliz im Jemen stimmt die Arabische Liga der Bildung einer gemeinsamen Eingreiftruppe zu.

Sanaa/Riad/Genf/Kairo - Bodentruppen im Rahmen der Operation "Sturm der Entschlossenheit" seien vorerst nicht vorgesehen, erklärte Ahmed al-Asiri, Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums, am Freitag vor Medien. Am zweiten Tag bombardierte die Allianz Stellungen der Huthi-Rebellen und ihrer Verbündeten in sieben jemenitischen Städten im ganzen Land, auch in der Region von Saada im Norden, dem Stammland der schiitischen Zaidi-Sekte. Die Operation werde nur Tage, nicht Wochen dauern, sagte der jemenitische Außenminister Riad Yassin.

Die Luftschläge haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Sanaa in den ersten 24 Stunden 39 Tote bei der Zivilbevölkerung gefordert. Über die Zahl der getöteten Kämpfer ist nichts bekannt. Erzürnt regierte Irans Außenminister Javad Zarif: "Nichts als Blutvergießen und noch mehr Tote."

Gipfel der Arabischen Liga

Huthi-Chef Abdulmalek al-Huthi zeigte keine Anzeichen von Einschüchterung. Im Fernsehen erklärte er, die Huthis würden nicht einfach weglaufen. Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi ist in der Zwischenzeit unter saudischem Geleit nach Riad gebracht worden. Er wird in den ägyptischen Badeort Sharm al-Sheikh weiterreisen, wo am Samstag und Sonntag der Gipfel der Arabischen Liga (AL) stattfindet. Die Militäroperation im Jemen - vom jemenitischen Außenminister als "Rettungsaktion" bezeichnet - wird ein zentrales Thema sein.

Die AL-Außenminister haben die Militärkampagne gegen die schiitischen Rebellen nicht nur einhellig gutgeheißen, sie haben auch überraschend schnell der Idee einer gemeinsamen Eingreiftruppe zugestimmt. AL-Sekretär Nabil al-Arabi wurde beauftragt, sich mit den Generalstabschefs der arabischen Armeen zu koordinieren und im Laufe eines Monats eine solche Truppe zu formieren.

Gefahr durch IS-Miliz

Der Vorschlag einer arabischen Armee hatte zuletzt insbesondere der ägyptische Präsident Abdelfattah al-Sisi propagiert. In den AL-Satzungen gibt es zwar einen Verteidigungspakt, der blieb aber bisher toter Buchstabe. Mit der zunehmenden Gefahr durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und den militärischen Erfolgen der Huthis, die die Saudis als direkte Bedrohung einstufen, kam nach Ansicht vieler Kommentatoren die Idee einer arabischen Anti-Terror-Truppe zur richtigen Zeit.

Westliche Militärexperten zeigen sich im Gespräch mit dem Standard allerdings skeptisch, ob sich ein solches Projekt so schnell realisieren lässt. Die Armeen der einzelnen Länder sind nicht interoperabel: Ausrüstung, Ausbildung, Strategie und Führungskultur sind völlig unterschied- lich. Es fehlt auch an gemeinsa- men Kommunikationseinrichtungen. Die heikelste Frage ist wohl jene nach dem Kommando.

Viele Unwägbarkeiten

Es gibt begründete Zweifel, dass Soldaten und Militärführung aus einem Land Befehle von Kommandanten eines anderen Landes akzeptieren würden. Heikel ist auch die Regelung, wer das Mandat und den Einsatzbefehl erteilt. Auf der politischen Ebene sollte in der Theorie die AL für das Mandat verantwortlich sein.

Tatsächlich gibt es aber viele lokale Eigeninteressen, Empfindlichkeiten und unterschiedliche Prioritäten. Deshalb dürfte es in naher Zukunft statt einer neuen regionalen Sicherheitsagentur wohl eher einzelne Einsätze nach dem aktuellen Modell der saudischen Allianz im Jemen geben. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 28.3.2015)

  • Soldaten einer saudi-arabischen Spezialeinheit bei einer Übung in Arar, nahe der Grenze im Norden zum Nachbarstaat Irak.
    foto: reuters

    Soldaten einer saudi-arabischen Spezialeinheit bei einer Übung in Arar, nahe der Grenze im Norden zum Nachbarstaat Irak.

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