Strache und Wilders vereint in Islamkritik

27. März 2015, 16:58
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FPÖ-Chef verteidigt niederländischen Rechtspopulist vor Hetz-Vorwürfen

Wien - Am Abend wird der umstrittene Rechtspopulist Geert Wilders in der Hofburg gemeinsam mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einen Vortrag zu "Europas Bedrohung durch die Islamisierung" halten. Schon bei einer Pressekonferenz am Nachmittag bestärkten sich die beiden in ihrer Auffassung einer von islamistischer Radikalisierung bedrohten Gesellschaft gegenseitig.

Einigkeit herrschte etwa beim Thema Syrien-Kämpfer. "Wenn ein Jihadist gehen will, lasst ihn gehen, aber hindert ihn daran, zurückzukehren", sagte Wilders. Er wolle nicht, dass Jihadisten irgendwo Verbrechen begingen, aber wenn sie es schon tun müssten, "dann ist es mir lieber, die Verbrechen werden in Syrien oder im Irak begangen, als in meinem eigenen Land", so der Niederländer. Die EU-Länder sollten das Schengen-System verlassen und ihre nationalen Grenzkontrollen wieder aufnehmen.

Wilders: "Immigration stoppen"

Über den Islam sagte Wilders: "Diese Kultur hat nichts mit Freiheit und Demokratie zu tun. Wenn man dagegen auftritt, wird man Rassist genannt oder es wird gleich eine Fatwa verhängt." Man solle die Immigration aus islamischen Staaten stoppen. "Ich will keine Moscheen, keine Imame und keine islamischen Schulen in meinem Land", so Wilders.

Der FPÖ-Chef nutzte die Gelegenheit zur innenpolitischen Profilierung. Er zeichnete ein Bild der drohenden "Über-Islamisierung": Mitte des Jahrhunderts könnten Muslime in Wien die Bevölkerungsmehrheit stellen, prophezeite Strache.

Erneut thematisierte er auch das Thema Syrien-Rückkehrer. "65 dieser tickenden Zeitbomben sind bis Ende 2014 zurückgekehrt, die Zahl ist jetzt sicher schon größer." Er erneuerte seine Forderung, man müsse den Rückkehrern die Staatsbürgerschaft entziehen.

Freundschaft statt Kritik

"Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist. Aber fast jeder Terrorist in den letzten zehn Jahren hat sich auf den Islam berufen", sagte Strache und erhielt dafür Zustimmung seines Gastes. Überhaupt unterstrichen die beiden ihr freundschafltiches Verhältnis. Strache über Wilders: "Er ist ein ganz großer Europäer, der im legitimen politischen Spektrum steht." Wilders über Strache: "Er ist ein Held."

Strache verteidigte Wilders gegen den Vorwurf, er sei ein Hetzer: "Dieser Begriff wird von Gegnern dann benutzt, wenn ihnen die Argumente ausgehen." Wilders muss sich in den Niederlanden bereits zum zweiten Mal wegen Verhetzung vor Gericht veranworten, 2011 wurde er freigesprochen. Bei anderen Gelegenheiten hatte er ein Verbot des Korans in den Niederlanden gefordert und den Islam als faschistische Religion bezeichnet.

"Wozu Unterschiede suchen?"

Auf die Frage, ob Strache Wilders' umstrittene Sager inhaltlich teile, relativierte er: "Ich würde diese Vergleiche nicht anstellen, jeder hat seine eigene Sichtweise." Jedoch: "Der Islamismus ist sehr wohl der Faschismus unserer Zeit."

Auch für den Vorwurf, bei der Auswahl des Veranstaltungsortes handle es sich um eine Provokation, zeigt er kein Verständnis: "Was soll das für eine Provokation sein, sich im Sinne der freien Meinungsäußerung mit Problemen auseinanderzusetzen?"

Auch auf mehrfache Nachfrage wollte Strache nicht auf Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien eingehen. Man rede sich nicht gegenseitig hinein. "Wozu Unterschiede suchen?", meinte Strache lapidar. Man wolle vielmehr gemeinsame Inhalte vorantreiben. Wilders hoffe, die beiden Parteien könnten in Zukunft eine gemeinsame Fraktion im EU-Parlament bilden. Frühere gegenseitige kritische Äußerungen übereinander wurden als Fehler abgetan. (Simon Moser, derStandard.at, 27.3.2015)

  • Vereint in ihrer Kritik am Islam gaben sich Geert Wilders und Heinz-Christian Strache am Freitag vor einer gemeinsamen Podiumsdiskussion in der Hofburg.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Vereint in ihrer Kritik am Islam gaben sich Geert Wilders und Heinz-Christian Strache am Freitag vor einer gemeinsamen Podiumsdiskussion in der Hofburg.

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