Der Riesen-Penis von Klösterle

28. März 2015, 08:00
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"Witzbold stapfte fünf Meter langes Geschlechtsteil in den Schnee." Der Papst-Besuch in Mexiko war nicht das einzige spirituelle Ereignis, dem sich "Österreich" hingab.

Man gewöhnt sich an alles, sogar an den Spitzenjob im Vatikan. Aber nicht gern. Bildungsbeflissen, wie man bei der „Kronen Zeitung“ ist, kann man nicht ohne den mexikanischen Fernsehsender Televisa, wenn der Papst dort seine Frühpensionierung avisiert. Die Wahl zum Papst sei eine „besondere Gnade“, sagte er, aber auf die Frage, ob er gerne Papst sei, antwortete Franziskus: „Es missfällt mir nicht.“ Cool, dieses Verhältnis zur Gnade, doch wie anders, wenn die Arbeitsbedingungen zu wünschen übrig lassen. Er habe aber Lust, irgendwann einmal den Vatikan zu verlassen, ohne erkannt zu werden, „und eine Pizza essen zu gehen ... Das fehlt mir etwas, aber man arrangiert sich, man gewöhnt sich daran.“

Kein Wunder, wenn er „das etwas vage Gefühl hat, dass mich der Herr für eine kurze Mission ausgewählt hat“. Und dann endlich ab ins Pizzaparadies! Doch Vorsicht ist geboten, wie „Österreich“ am Dienstag warnte. Papst von Nonnen-Groupies begrapscht. Sie greifen, ziehen, grapschen nach ihm. Es bildet sich ein Getümmel. Jeder will ihn anfassen. Was sich anhört, wie Szenen vom jüngsten Justin-Bieber-Konzert, ereignete sich am Wochen ende in Neapel, wo sonst? Und „Österreich“ mittendrin. In den Hauptrollen: wild gewordene Nonnen-Groupies und der Heilige Vater Papst Franziskus. Heiliger Vater und auch noch Papst – wenn schon Nonnen-Groupies nach ihm grapschen, muss wenigstens Wolfgang Fellner für Einhaltung der Titulatur sorgen.

Es war aber diese Woche nicht das einzige spirituelle Ereignis, dem sich „Österreich“ hingab. Aufregung um Riesen-Penis im Ski-Gebiet, dokumentiert mit einem Foto des Tages, war dem Herausgeber fast eine Viertelseite wert. Vielleicht Folge eines vagen Gefühls, dass ihn der Herr für eine kurze Mission ausgewählt hat. Witzbold stapfte fünf Meter langes Geschlechtsteil in den Schnee, und das ausgerechnet in Klösterle. Da ist es schwer, an sich zu halten. Pulverschnee, Sonnenschein und: ein riesiger Penis! Vorarlberger Skifans überraschte heute früh auf der Webcam der Klostertaler Bergbahnen ein riesiger Phallus im Schnee! Was war passiert?

Diesmal waren es keine grapschenden Nonnen-Groupies. Nein, ein Scherzkeks dürfte in der Früh vor seiner ersten Abfahrt auf der Bergstation Riedkopf das riesige Geschlechtsteil in den Schnee gestapft haben. Da ist seriöse Recherche gefragt. Brisant: Es muss jemand gewesen sein, der den Schwenkbereich der Webcam genau kennt. Denn: Der fünf Meter lange und drei Meter breite Riesen-Penis wurde in 1.960 Metern Höhe online perfekt in Szene gesetzt!

Zur Untermauerung dieser alpinistischen Meisterleistung im Dienste einer avancierten Tourismuswerbung und um auch jenen Leser/innen des Blattes beizustehen, deren Fantasie an der Vorstellung eines fünfzehn Quadratmeter großen Riesen-Penis in 1.960 Metern Höhe scheitern könnte, verwies ein dicker roter Pfeil auf das Œuvre des stapfenden Witzboldes.

Sonst hatte die Woche nur noch zwei Offenbarungen parat. In der Rubrik Zeitgeschichte des „Kurier“ ließ Georg Markus das Testament der Kronprinzessin Stephanie, weiland ungeliebte Frau des Kronprinzen Rudolf, auferstehen, das siebzig Jahre lang versteckt blieb und bis Sonntag eigentlich auch niemandem abgegangen ist. Darin enterbte sie ihre Tochter Elisabeth, Enkelin Kaiser Franz Josephs, die es sich nach erster Ehe mit einem Fürsten Otto Windischgraetz verbesserte, indem sie den sozialdemokratischen Abgeordneten Leopold Petznek heiratete. Verständlich, dass die auf habsburgisch trainierte Mutter darin einen andauernden unmoralischen Lebenswandel, ja ein sündhaftes Leben erkennen musste, was endlich erfahren zu dürfen wir nach so langer Zeit dem „Kurier“ verdankten.

Der „Krone“ verdankten wir hingegen den unheimlichen Brief der Eislady, deren medial wiedergekäute Taten allmählich Mayerling den Rang ablaufen. Ein Brief, den Estibaliz Carranza, verurteilt wegen zweifachen Mordes, an die Mutter ihres zweiten Opfers schrieb, ist jetzt aufgetaucht und wurde der „Krone“ zugespielt.

Wie das Leben so zuspielt! „Die wahre Geschichte der Eislady“ ist in zwischen auch als Hörbuch erschienen – gelesen mit schaurig-schöner Stimme von der deutschen Schauspielerin Jo Kern. Und: Die Filmrechte dürften bald verkauft werden. Das will gut bewor-
ben werden, es soll ja ein Geschäft werden. (Günter Traxler, DER STANDARD, 28./29.3.2015)

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