Wikipedia: Die freie Enzyklopädie zementiert Geschlechterstereotype

27. März 2015, 14:45
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Studie zeigt deutliche qualitative Unterschiede: In Artikeln über Frauen wird oft der Beruf des Ehemannes erwähnt

Die Art und Weise, wie Wikipedia Frauen porträtiert, weicht deutlich von der Darstellung von Männern ab und festigt so bestehende Rollenbilder. Das haben Forschende von GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, der ETH Zürich und der Universität Koblenz-Landau festgestellt. In einer Studie verglichen sie sechs unterschiedliche Sprachversionen von Wikipedia mit drei wissenschaftlichen Datenbanken bekannter Personen aus der Zeitgeschichte.

Ausgehend von der Annahme, dass sich zwangsläufig Geschlechtervorurteile in einer Enzyklopädie niederschlagen müssen, die bekanntermaßen hauptsächlich von weißen männlichen Autoren verfasst wird, waren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Studie zunächst überrascht, "dass das Ausmaß der Erfassung von Männern und Frauen ähnlich gut zu sein scheint", so eine der Autorinnen, Claudia Wagner von GESIS. Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass auf der englischen Startseite von Wikipedia Frauen in gleichem Maße vorkommen wie Männer. Leider endet die Gleichstellung der Geschlechter aber hier.

Verlinkt wird zu Artikel über Männer

Denn auch wenn man von einer quantitativen Gleichheit sprechen kann, zeigen sich deutliche qualitative Unterschiede in den Artikeln über Männer und Frauen. Es geht also nicht um die Anzahl der Artikel über bekannte Frauen, sondern darum, wie die Frauen im Vergleich zu den Männern dargestellt werden. So beginnen beispielsweise Artikel über bedeutende Frauen häufig damit, dass sie den Beruf des Ehemanns erwähnen, anstatt zuerst die Leistungen der Frau zu beschreiben. Weiterhin interessant ist die Tatsache, dass weiterführende Links in den Artikeln über Frauen überdurchschnittlich oft zu Artikeln über Männer führen, umgekehrt dies aber nicht der Fall ist.

Als Folge daraus finden sich Artikel über Männer aufgrund der größeren Anzahl an Verlinkungen häufiger und besser positioniert in den Trefferlisten der Suchmaschinen wieder. Wagner betont daher die Notwendigkeit, "dass sich die Wikipedia-Community bemüht, Artikel von Frauen und Männer ähnlich aufzubauen und ähnliche Themen bzw. Bereiche in der gleichen Reihenfolge abzuhandeln".

Einen ersten Vorstoß als Reaktion auf die Studie machte bereits das Museum of Modern Art, wie der ArtsBeat Blog der New York Times berichtet. In einem von der Gruppe Art + Feminism organisierten Flagship-Event im MoMA wurden anlässlich des Internationalen Frauentags Tutorials gezeigt, die Frauen dazu ermutigen sollten, Artikel bei Wikipedia zu verfassen, um mit der weißen männlichen Vormachtstellung in der AutorInnenschaft zu brechen. (red, dieStandard.at, 27.3.2015)

  • Für die Online-Enzyklopädie schreiben hauptsächlich  weiße männliche Autoren.
    foto: epa/alex hofford

    Für die Online-Enzyklopädie schreiben hauptsächlich weiße männliche Autoren.

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