Wofür man sich erwärmen kann

27. März 2015, 14:10
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Wenn im September 2015 die Ökodesign-Richtlinie für Heizgeräte in Kraft tritt, werden sich Kunden über die Heizmethode der eigenen vier Wände Gedanken machen müssen

Vor kurzem ging in Frankfurt am Main die weltgrößte, biennal stattfindende Sanitär- und Heizungsmesse über die Bühne. Die ISH 2015 zog fast 200.000 Besucher an. Die größten Trends und Entwicklungen, so viel ist bald einmal klar, wenn man die Aussteller zu Wort kommen lässt, sind nicht in der Großstadt zu beobachten, sondern im ländlichen Raum, fernab von Fernwärme und Gas. Hier greifen inzwischen, und zwar in ganz Mitteleuropa, die meisten Haushalte zu erneuerbaren Energien wie etwa Biomasse, Holz und Pellets.

Hybride im Fokus

"Im Vordergrund stehen derzeit hybride Heizsysteme mit mindestens zwei Energiearten, beispielsweise Wärmepumpen in Kombination mit anderen Brennstoffen", sagt Manfred Greis, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Ein weiterer Trend sei die zunehmende Verknüpfung von heiztechnischen Systemen mit dem Internet sowie mit IT-Lösungen für die Steuerung und das Monitoring. "Connectivity" lautet das Stichwort. Die Varianten - vom Tablet über unterschiedlichste Apps für Android und iOS - sind überbordend.

Vieles davon spiegelt auch die Marktsituation in Österreich wider. "Trotz zunehmender Komplexität im Heizsystem muss die Bedienung leicht verständlich und einfach bedienbar bleiben", sagt Johann Standl, Leiter Produktmanagement beim Salzburger Unternehmen Windhager, das auf Kessel und Speichertechnologie spezialisiert ist. "Mittlerweile kann man die Heizung mit einfachen Apps bedienen." Während in der Altbausanierung und städtischen Gebieten vordergründig mit Gas geheizt wird, bestätigt auch Standl, greifen in kleineren Gemeinden die meisten bereits zu erneuerbaren Energien.

Trendwende absehbar

Mit 48.000 abgesetzten Geräten pro Jahr (Stand 2012) ist die Gasheizung ungebrochen die beliebteste Heizung der Österreicher. Doch die Trendwende zeichnet sich unübersehbar ab: "Aufgrund des hohen Ölpreises werden Ölkessel immer seltener nachgefragt", erzählt Elisabeth Berger, Geschäftsführerin der Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK). Im Schnitt betrage der Rückgang rund 15 Prozent pro Jahr. Stattdessen nehmen - mit einem Plus von etwa 20 Prozent per anno - die Pelletsheizungen im ländlichen Raum kontinuierlich zu.

"Österreich ist ein Biomasse-Land, da sind wir im internationalen Vergleich überproportional gut vertreten", so Berger. "Ein gutes Drittel bis fast die Hälfte der Kessel, die wir im ländlichen Raum verkaufen, sind Systeme für erneuerbare Energien wie etwa Wärmepumpen und Biomasse-Heizungen."

Ökodesign-Richtlinie

Im Herbst dürfte sich das Konsumentenverhalten der Österreicher ändern. Dann nämlich tritt die EU-weite Ökodesign-Richtlinie in Kraft, die nach Glühlampen und Haushaltsgeräten nun auch die Effizienz der Heizung unter die Lupe nehmen wird. Berger: "Ab September 2015 müssen alle Heizgeräte gekennzeichnet werden. Ich denke, da wird ein deutliches Umdenken stattfinden."

Ganz gleich, mit welchem Brennstoff die Kessel und Geräte gespeist werden - immer noch hat der Konsument am Ende die Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Methoden, wie die gewonnene Heizleistung in den Raum gebracht wird, um diesen zu erwärmen. "Während sich auf dem Gebiet der Heizgewinnung in den letzten Jahren sehr viel getan hat, ich denke da nur an die Wärmepumpen und erneuerbaren Energien, herrscht bei der Art und Weise, wie wir unsere Räume temperieren, seit Jahren eine Stagnation", erzählt Jochen Käferhaus, Geschäftsführer der Käferhaus GmbH. "Im Großen und Ganzen hat der Kunde die Wahl zwischen Hochtemperatur- und Niedertemperaturheizung."

Erstere sind entweder klassische Radiatoren, zu denen Otto Normalverbraucher nach wie vor am häufigsten greift, sowie etwa die von Käferhaus entwickelte Hochtemperatur-Bauteilheizung, die vor allem bei Sanierungen von Altbauten und historisch wertvoller Bausubstanz genutzt wird. Dabei werden Kupferleitungen direkt in die Wand beziehungsweise in die Fensterlaibung verlegt, womit sich die massive Wand aufheizt und auf diese Weise in den Raum abstrahlt.

Beliebte Fußbodenheizungen

"Die Verlegung ist aufwendig und macht viel Dreck", so Käferhaus. "Bei einer Generalsanierung, wenn man die Wand für die neue Gas- und Elektroinstallation sowieso aufstemmen muss, macht diese Methode aber Sinn und ist langfristig günstig und sehr komfortabel." Erst kürzlich stattete er das Kunsthistorische Museum und die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste mit einer solchen Heizung aus.

Zu den Niedertemperaturheizungen zählen beispielsweise die Fußbodenheizung, die sich im Neubau immer größerer Beliebtheit erfreut, sowie die Wand- und Deckenheizung. "Wand- und Deckenheizung haben keinen sehr guten Ruf", meint der Experte, "denn viele sagen, dass dies unangenehm und unbehaglich ist." Der Trick: "Die Oberflächentemperatur der Bauteile darf bei einer flächigen Niedertemperatur-Verlegung niemals mehr als 30 Grad Celsius betragen. Dann steigt auch der Komfort."

Nicht mit Strom

Bloß eines dürfe man keineswegs, so Käferhaus: "Heizen mit Strom ist das Unsinnigste, was man sich nur vorstellen kann. Wenn eine Kilowattstunde Strom dreimal so viel kostet wie eine Kilowattstunde Gas, dann frage ich mich, warum so viele Konsumenten darauf reinfallen. Strom ist viel zu teuer, um ihn zu verheizen."

Durch den Vorteil der sehr niedrigen Anschaffungskosten und den Nachteil der extrem hohen Betriebskosten gibt es nur zwei Einsatzgebiete, die Sinn machen: "Strom- und Infrarotheizungen eignen sich in einem Wochenendhaus, wo man nur wenige Wochenenden im Jahr heizt, oder aber in einem Niedrigenergie- oder Passivhaus zur Abdeckung der Kältespitzen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 28.3.2015)

  • Um es schön warm zu haben in den eigenen vier Wänden, hat der Konsument die Qual  der Wahl. Die Gasheizung ist zwar immer noch die beliebteste Heizung der  Österreicher, doch der Trend zu Pellets ist klar ersichtlich.
    foto: istockphoto.com

    Um es schön warm zu haben in den eigenen vier Wänden, hat der Konsument die Qual der Wahl. Die Gasheizung ist zwar immer noch die beliebteste Heizung der Österreicher, doch der Trend zu Pellets ist klar ersichtlich.

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