Heimische Firmen haben Defizite für den Weltmarkt

1. April 2015, 08:45
1 Posting

Freiheit, Verbundenheit, Leadership - das sei für erfolgreiches internationales Wirtschaften wesentlich. Österreichische Unternehmen sollten da nachbessern, sagt eine aktuelle Studie

Nur neun Prozent der Mid-Caps (Unternehmen mit mittlerem Börsenwert) fühlen sich fit für den globalen Markt. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Umfrage des Executive Searchers Amrop. In "A Global C-Suite Study - The Human Dimension of Globalizing Mid-Caps" wurden Führungskräfte (CEOs) dieser Unternehmensgröße nach ihrer Einschätzung in drei Bereichen - Talentmanagement, Unternehmenskultur und ihre Auswirkung auf die Performance sowie die Board-Governance - befragt. Insgesamt wurden 83 Topmanager interviewt, aus Österreich Heimo Scheuch (Wienerberger) und Hannes Ametsreiter (Telekom Group).

Zwar würden knapp 80 Prozent die Erfolgsstrategien des Mitbewerbs genau analysieren, aber ein Fünftel versucht es ganz ohne vergleichbare Rolemodels.

Erfolgreiche Mid-Caps wurden von der Schweizer Business-School IMD analysiert. Drei wesentliche Faktoren seien, so die Umfrage, für ein erfolgreiches internationales Wirtschaften wesentlich: Freiheit, Verbundenheit und Leadership.

Faktoren für den Erfolg

Denn international tätige Unternehmen müssen agil bleiben - hinsichtlich ihrer Talentsuche, aber auch hinsichtlich ihrer Kunden. Und diese könne nur gelingen, wenn diese drei Komponenten sich tatsächlich in den Mid-Caps in einer Balance wiederfinden. "Aus meiner Erfahrung", sagt Andreas Philippitsch, Partner von Amrop Jenewein, "sind diese drei Faktoren in österreichischen Unternehmen nach wie vor zu gering ausgeprägt." Hier können österreichische Unternehmen besser werden.

Freiheit brauche es, um Mitarbeitern und Führungskräften den nötigen Freiraum zu geben, um selbstständig handeln zu können. Dazu gehöre auch eine Fehlerkultur. Verbundenheit bedeute, dass trotz mittlerer Unternehmensgröße Führungskräfte sämtliche Key-Players inklusive Konsumenten kennen. Leadership wiederum bedeute u. a., so die Studie, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten und die Weiterentwicklung der Nachwuchsführungskräfte.

Eine starke Arbeitgebermarke sei ebenfalls ein wichtiger Faktor für Mid-Caps, die international erfolgreich sein möchten, geht es doch darum, auch qualifizierte Talente in einem stark umkämpften Markt anzusprechen. Erfolgreiche Mid-Caps - auch das zeigte die Befragung - planen ehrgeizig und sehr langfristig. Positiv sei, dass die Mitarbeitergröße meist noch überschaubar sei und die Topführungsriege Nachwuchstalente auch persönlich kennt.

Mit großen Konzernen teilen sich international tätige mittelgroße Unternehmen die kritische Sichtweise auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen, arbeits- und handelsrechtlichen Rahmenbedingungen.

Internationales Board

Kulturelle Vielfalt wird, so die Befragung, ebenfalls zu einer bedeutenden Größe. Immerhin seien schon jetzt die Boards häufig international besetzt. Aber auch die Boards der Mid-Caps, die international Fuß fassen möchten, müssen diesen Anspruch in ihrer Zusammensetzung widerspiegeln.

Gerade wegen der Freiräume, die CEOs und andere Topführungskräfte genießen, spielt die Zusammensetzung des Aufsichtsrats eine entscheidende Rolle. Denn bei allen Freiheiten dürfe kein Laissez-faire-Stil Einzug in die Chefetagen halten. (red, DER STANDARD, 28./29.03.2015)

Share if you care.