Comeback mit Getöse

Ansichtssache26. März 2015, 18:55
11 Postings

Sepang - Vermutlich wäre es McLaren lieber, Fernando Alonso hätte nach seinem Trainingsunfall vom 22. Februar in Barcelona tatsächlich an Amnesie gelitten und sich noch immer nicht ganz davon erholt. Denn was der Spanier im Vorfeld des Grand Prix von Malaysia aus seinen Erinnerungen hervorkramte, stellte nicht nur dem Krisenmanagement des englischen Formel-1-Rennstalls ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Der Spanier, der wie der zuletzt in Australien wegen Rückenschmerzen fehlende Williams-Finne Valtteri Bottas den Fitnesstest für das zweite Saisonrennen am Sonntag bestanden hat, nennt ein technisches Gebrechen als Unfallursache. "Wir hatten definitiv ein Lenkproblem."

Gerüchte

McLaren hatte nach dem Crash in Kurve drei des Circuit de Catalunya - Alonso war mit 150 km/h ungewöhnlich langsam unterwegs gewesen, ins Schlingern gekommen und in eine Begrenzungsmauer gekracht - ein technisches Gebrechen ausgeschlossen. Es gab Gerüchte, der Pilot sei schon vor dem Aufprall ohnmächtig gewesen, McLaren ließ dann aber verlauten, eine Windböe habe dessen Auto aus der Bahn geworfen. Dem widersprach Alonso deutlich: "Nicht einmal ein Hurrikan hätte das Auto bei dieser Geschwindigkeit bewegen können."

Und auch die Meldungen, wonach er bewusstlos und im Anschluss nicht ganz bei Sinnen gewesen sei, verwies der Doppelweltmeister ins Reich der Fantasie: "Ich bin weder im Jahr 1995 aufgewacht, noch habe ich italienisch gesprochen. Ich war nicht bewusstlos im Auto."

Sicher, aber nicht so flott

Der 34-Jährige steigt allerdings im Bewusstsein wieder ein, dass McLaren "im Moment das sicherste Auto" habe. "Das Team hat im vergangenen Monat jede Komponente untersucht und alles ausgetauscht, wo es nur den leisesten Zweifel gab." Er selbst sei ohnehin in bester Verfassung, weil der "am besten medizinisch untersuchte Fahrer der Geschichte".

Dafür sitzen er und sein nicht minder routinierter Kollege Jenson Button im vielleicht schlechtesten McLaren der Geschichte. Vor zwei Wochen schleppte der englische Einfachweltmeister den Wagen auf den elften und letzten Platz, nachdem er von sämtlichen vor ihm Klassierten zumindest einmal überrundet worden war. Die große Schwäche des Gefährts ist der neue Honda-Motor. Alonso hofft, dass er und Button "mit unserer Erfahrung McLaren und Honda helfen können". Allerdings sind den Verbesserungsmöglichkeiten reglementbedingt sehr enge Grenzen gesetzt.

Das Schmerzensgeld

Wenigstens stimmt Alonsos Schmerzensgeld. Der Spanier ist mit einem Jahresgehalt von angeblich 34,5 Millionen Euro der Spitzenverdiener im Zirkus, während Button nur etwas mehr als ein Drittel dieser Summe einstreift. Der britische Weltmeister Lewis Hamilton pokert jedoch mit Mercedes, um Alonso auch finanziell den Rang abzulaufen. (sid, lü, DER STANDARD, 27.3.2015)

Die Top 10 der Formel 1 (alle Angaben geschätzt):

Bild 1 von 10
foto: ap/paul

10. Daniel Ricciardo (Australien/Red Bull) 3 Millionen Euro

weiter ›
Share if you care.