Pflege am Lebensende: Ein Stufenplan mit Lücken

26. März 2015, 19:01
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Ein Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung in Österreich ist beschlossen, die Finanzierung aber noch offen

Wien - Ein Pflegehelfer findet Frau L. leblos vor. Es ist Samstagabend, der Zustand der dementen, betagten Frau hat sich seit Wochen verschlechtert. Frau L. ist nahe am Sterben. Doch der Pflegehelfer wird wohl den Notarzt rufen - obwohl L. mehrfach betonte, nicht ins Spital zu wollen und keine lebenserhaltenden Maßnahmen zu wünschen, wenn es einmal so weit ist. Die geschilderte Szene stammt aus Presseunterlagen des Dachverbands Hospiz Österreich. Im Zuge eines Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung sollen Situationen wie diese aus Patientensicht besser gelöst werden.

Diese Form der Betreuung ist österreichweit erst zur Hälfte gedeckt, wie die parlamentarische Enquete-Kommission "Würde am Ende des Lebens" in ihrem Bericht feststellte. Dass sie ausgebaut gehört, darüber war man sich am Donnerstag im Nationalrat einig und stimmte den 51 Enquete-Empfehlungen zu - deren Finanzierung aber noch nicht steht (zusätzlich je 18 Millionen Euro für 2016 und 2017).

Allerdings existieren weite Bereiche, die von den Plänen de facto nicht profitieren: So begrüßte Hospiz Österreich, Dachverband aller Hospizorganisationen, zwar ausdrücklich die Beschlussfassung, Sigrid Beyer, die bei Hospiz Österreich Projektleiterin ist, erläuterte dem STANDARD zugleich aber, dass der Ausbauplan nur die spezialisierte Versorgung (Hospize selbst oder Palliativstationen in Spitälern) betrifft, nicht aber die Grundversorgung, in die etwa Pflegeheime fallen.

Träger zahlen Palliativversorgung

Derzeit sei es Sache der Träger, besondere Pflege am Lebensende in den Heimen zu implementieren, sagte Beyer von Hospiz Österreich. "Das fällt oft großen Trägern leichter." Geld könnten sich die Länder dafür auch aus dem Pflegefonds holen, das täten aber nicht alle.

In den Heimen fehle gerade an Wochenenden und im ländlichen Bereich ärztliche Versorgung, da werde schnell einmal der Notarzt gerufen, schilderte Harald Reschitzegger, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft bei einer Pressekonferenz anlässlich des 6. Hospiz- und Palliativtages in Wien. Außerdem müsse es für Ärzte auf dem Gebiet Fortbildungen und auch eine Facharztausbildung geben, sagte Reschitzegger.

100 von 800 Pflegeheimen in sieben Bundesländern haben Hospiz und Palliative Care umgesetzt oder arbeiten derzeit daran, erläuterte Waltraud Klasnic von Hospiz Österreich.

Zusatz zur Patientenverfügung

Der Enquete-Bericht sieht auch eine Evaluierung und gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung der Patientenverfügung und der Vorsorgevollmacht vor. Beides sind Instrumente, die - im Fall einer Situation, in der ein Mensch nicht mehr ansprechbar und dem Tod nahe ist -, dem Arzt bei Entscheidungen über lebensverlängernde Maßnahmen richtungsweisend sein können.

Experten haben nun Leitlinien für ein drittes Instrument erarbeitet: den Vorsorgedialog, in dessen Rahmen darüber gesprochen werden soll, welche Wünsche für das Leben, aber auch das Sterben bestehen. Derzeit sollen Gespräche über eine mögliche gesetzliche Implementierung des Vorsorgedialogs im Gange sein. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • In einem von acht Pflegeheimen in Österreich gibt es Palliativ- und Hospizversorgung, oder sie wird eingeführt. Wer diese auf Dauer bezahlt, ist trotz Nationalrats-"Ja" zu einem Ausbau unbeantwortet.
    foto: dpa/burgi

    In einem von acht Pflegeheimen in Österreich gibt es Palliativ- und Hospizversorgung, oder sie wird eingeführt. Wer diese auf Dauer bezahlt, ist trotz Nationalrats-"Ja" zu einem Ausbau unbeantwortet.

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