Neue "Supertermite" bedroht Florida

26. März 2015, 18:08
69 Postings

Zwei gefräßige Termitenarten haben in den USA eine Hybrid-Kreatur hervorgebracht, die sich als noch viel gefährlicher erweisen könnte als ihre Eltern

Fort Lauderdale / Wien - Florida gilt als beliebtes Einwanderungsland. Nicht nur Senioren wählen den Sunshine State gerne wegen seines angenehmen Klimas als Alterssitz, auch zahlreiche tierische und pflanzliche Invasoren aus allen Teilen der Welt fühlen sich hier mittlerweile recht wohl - mit allen negativen Konsequenzen für die lokalen Ökosysteme. Aktuell prominentestes Beispiel ist der asiatische Tigerpython: Die bis zu fünf Meter lange Würgeschlange ist gerade dabei, der Säugetierwelt der Everglades den Garaus zu machen.

Nun scheint eine neue Invasionsgefahr heraufzudämmern, die selbst jene Neobiota-Experten, die Kummer gewohnt sind, das Fürchten lehrt: Zwei vor Jahrzehnten eingewanderte Termitenarten, die jeweils für sich genommen schon einen ausgesprochen destruktiven Lebenswandel an den Tag legen, haben offenbar zueinandergefunden, um eine neue Hybrid-Spezies hervorzubringen - eine Art "Supertermite", deren künftiges Zerstörungspotenzial jenes der Ursprungsarten weit in den Schatten stellen könnte.

Die südostasiatische Termite Coptotermes gestroi und die Formosa-Termite Coptotermes formosanus erreichten vermutlich einst per Frachtschiff die USA. C. formosanus ist kälteresistenter und fühlt sich bereits im gesamten Südosten der USA heimisch, C. gestroi hat neben Florida mittlerweile den karibischen Raum und Teile Brasiliens erobert. Die gefräßigen Insekten werden für jährliche Gebäudeschäden im Ausmaß von 40 Milliarden US-Dollar verantwortlich gemacht.

Zerstörer finden zueinander

Obwohl die Verbreitungsgebiete der beiden Spezies einander überlappen, hielten Fachleute eine Vermischung bis vor kurzem für unwahrscheinlich, da beide Arten in unterschiedlichen Monaten aus ihren unterirdischen Bauten hervorkommen, um auszuschwärmen und neue Kolonien zu gründen.

Dies dürfte sich nun geändert haben: Termiten-Experte Thomas Chouvenc von der University of Florida konnte in den letzten drei Jahren in Fort Lauderdale beobachten, dass beide Arten zeitgleich ausflogen, um nach Partnern Ausschau zu halten.

Dass dies ziemlich schlechte Nachrichten sind, machen Chouvenc' Versuche im Labor klar: Nicht nur, dass die beiden Termitenarten gemeinsam Hybrid-Nachkommen hervorbrachten, die Männchen von C. gestroi zeigten sogar deutlich höheres Interesse an den Weibchen von C. formosanus als an Partnerinnen der eigenen Art.

Doch damit ist es mit den Hiobsbotschaften noch nicht vorbei: Zumindest im Labor entwickelten sich die Kolonien der Hybrid-Termiten mit einer zuvor nicht beobachteten Geschwindigkeit. Die frisch gegründeten Staaten wuchsen durchschnittlich doppelt so schnell wie jene der beiden Ursprungsarten. Nun müssen sich die Forscher mit zwei entscheidenden Fragen auseinandersetzen: Sind die Hybrid-Termiten zur Fortpflanzung fähig? Und welches Klima toleriert die neue Art?

Sollte sich die neue Spezies tatsächlich weiter vermehren und mit niedrigeren Temperaturen zurechtkommen, müssten sich wohl weite Teile der südlichen USA auf eine Termitenplage mit bisher ungeahnten Ausmaßen einstellen, glaubt Chouvenc. Auch Nan-Yao Su, Koautor der im Fachjournal "Plos One" veröffentlichten Studie, befürchtet das Schlimmste: "Noch ist vieles unklar, aber ich glaube, was wir hier sehen, ist nur die Spitze eines riesigen Eisbergs." (Thomas Bergmayr, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Eine Termitenfamilie mit gefährlichem Nachwuchs: Die südostasiatische Spezies  Coptotermes gestroi (links) und die Formosa-Termite C. formosanus gingen im Labor eine äußerst  fruchtbare Partnerschaft ein - mit womöglich schweren Konsequenzen für den Süden  der USA.
    foto: ap photo/thomas chouvenc, university of florida/ifas

    Eine Termitenfamilie mit gefährlichem Nachwuchs: Die südostasiatische Spezies Coptotermes gestroi (links) und die Formosa-Termite C. formosanus gingen im Labor eine äußerst fruchtbare Partnerschaft ein - mit womöglich schweren Konsequenzen für den Süden der USA.

Share if you care.