Grasser kämpft gegen Verjährung

26. März 2015, 17:40
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Beleidigungen und "Kostenschinden" im Zentrum des Prozesses gegen Steuerberater

Wien - Karl-Heinz Grasser hat am Donnerstag wieder einen Gerichtstermin absolviert - großteils schweigend. Im Zentrum stand sein Strafverteidiger Manfred Ainedter, der diesmal als Zeuge befragt wurde. Es geht um die Frage, ob Grassers Ansprüche verjährt sind. Der frühere Finanzminister und seine in Liquidation befindliche Value Creation haben ihren früheren Steuerberater Peter Haunold und Deloitte geklagt. Sie sollen Grasser falsch beraten haben und für die drohende Steuernachzahlung verantwortlich sein.

Grasser hat seine Meinl-Vertriebsprovisionen ja über ein ziemlich komplexes Firmengeflecht vereinnahmt, in dem liechtensteinische Stiftungen ebenso aufscheinen wie ein zypriotischer Firmenmantel und ein Briefkasten auf den Jungferninseln. Alles auf Anraten Haunolds, wie Grasser stets beteuert. Doch der geforderte Schadenersatz wird von Deloitte heftig bestritten: Einerseits wird vorgebracht, der Klient habe die Konstruktion anders gestaltet als empfohlen; andererseits halten Deloitte und Haunold die Ansprüche für verjährt.

Schaden noch nicht festgestellt

Darum ging es bei der jüngsten Tagsatzung, bei der Ainedter befragt wurde, ab wann denn Klagen gegen die Steuerberater erwogen wurden. Der Anwalt fand es irritierend, dass noch gar kein Schaden festzustellen sei, aber bereits über Verjährung gestritten wird. In der Sache selbst räumte er ein, dass schon Ende 2012 Klagsentwürfe ausgearbeitet wurden. Aber auch schon davor habe er mit Grasser, "der nichts ohne Berater macht" (Ainedter), ein mögliches rechtliches Vorgehen gegen Deloitte besprochen.

Genau da hakt der Gegner ein. Von behaupteten Beratungsfehlern Haunolds habe Grasser schon früher - nach Gesprächen mit dem neu engagierten Steuerexperten - Kenntnis gehabt. Der Richter muss nun die Frage der Verjährung beantworten. Im Gericht ging es teilweise hitzig zu. Grassers Anwalt Dieter Böhmdorfer warf der Gegenseite Verzögerung und Kostenschinderei vor und fühlte sich zudem noch vom Visavis beleidigt. (as, DER STANDARD, 27.3.2015)

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