Saudi-geführte Allianz führt Krieg gegen Huthis

26. März 2015, 18:05
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Mit Luftangriffen leitete Saudi-Arabien eine Offensive gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen ein

Sanaa/Kairo - Mit ihrem Vormarsch auf Aden und die Meerenge von Bab al-Mandab haben die Huthi-Rebellen den Bogen überspannt. Der saudische König Salman gab am späten Mittwochabend den Befehl zum Gegenschlag. Riad führt eine Militärallianz von zehn Mitgliedern; neben fünf Golfstaaten haben sich Ägypten, Sudan, Jordanien, Marokko und Pakistan angeschlossen - mit welchen Beiträgen genau, war vorerst unklar. Die USA leisten logistische Unterstützung.

Teheran hat die saudische Intervention scharf verurteilt, von einem gefährlichen Schritt gesprochen und ein sofortiges Ende gefordert. Ein Sprecher der Huthi-Rebellen gab sich kämpferisch. Er erklärte, man werde die Revolution fortführen und auch nicht den Iran um Unterstützung angehen.

Huthi-Führer getötet

Der saudische Botschafter in den USA hatte als Ziel der Operation "Sturm der Entschlossenheit" die Wiederherstellung der Legitimität im Jemen genannt. Konkret dürfte das bedeuten: Die Huthis sollen militärisch geschwächt, aus Sanaa vertrieben, von Hilfslieferungen aus dem Ausland abgeschnitten und wieder an den Verhandlungstisch gebracht werden.

Die Luftangriffe waren auf militärische Einrichtungen, speziell Flugzeuge und Flugabwehrstellungen in Sanaa und in der Umgebung von Aden, konzentriert. Mehrere hochrangige Huthi-Führer sollen dabei getötet worden sein. Die Huthis sprachen auch von 25 zivilen Opfern. Auf ihrem Fernsehkanal waren Verwundete im Spital zu sehen.

Im Süden des Landes gewannen am Donnerstag die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Loyalisten von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und schiitischen Huthi-Rebellen in mehreren Städten an Schärfe. Dabei gab es viele Tote. An einigen Orten des Landes kam es zu prosaudischen Demonstrationen. Iranische Medien berichten von Pro-Huthi-Kundgebungen in Sanaa.

Mehrere Länder beteiligt

Das Königreich hat für die Operation 150.000 Mann an Bodentruppen und 100 Flugzeuge bereitgestellt. Auf sieben Flughäfen im Süden des Landes wurde der Betrieb eingestellt. Mehrere Golfländer und der Sudan waren bereits beim Start der Operation militärisch beteiligt, während Jordanien vorerst politische Unterstützung zugesagt hat. Kairo begründete die Teilnahme an der saudischen Allianz mit der Bedrohung der nationalen Sicherheit und jener Saudi-Arabiens. Absprachen über einen Einsatz von Streitkräften aller Waffengattungen seien im Gang. Vier ägyptische Kriegsschiffe haben sich auf den Weg in den Golf von Aden gemacht.

Ägypten hatte sich schon in den 60er-Jahren einmal in einem Bürgerkrieg im Jemen eingemischt und hohe Verluste erlitten. Damals allerdings alleine, während sich jetzt eine breite arabische Allianz, die sich vom Iran provoziert fühlt, an dem Feldzug gegen die Huthis beteiligt. In Ägypten selbst stößt die Teilnahme an der Militäroperation auf große Unterstützung, vor allem eine Bedrohung der Wasserstraße von Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und Afrika, die Auswirkungen auf den freien Verkehr durch den Suezkanal hätte, wird als Angriff auf die nationalen Interessen gewertet.

Schwieriges Gelände

Militärexperten erwarten eine langwierige Operation mit mehreren Phasen. Noch ist unklar, ob den Luftschlägen auch ein Einmarsch von Bodentruppen folgen wird. Der Jemen ist ein bergiges Land, und die Huthi-Rebellen sind im unwegsamen Gelände kampferprobt, das Risiko von hohen Verlusten groß. Der Verlauf hängt nicht nur davon ab, wie die Huthis reagieren, sondern auch, wie sich jene Truppenteile verhalten, die loyal zu Expräsident Ali Abdullah Saleh stehen. Dank ihrer Unterstützung ist es den Huthis gelungen, rund siebzig Prozent der militärischen Ausrüstung des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen und Hadi und seine Regierung aus Sanaa zu verjagen.

An ihrem Treffen in Sharm al-Sheikh haben sich am Donnerstag die Außenminister der Arabischen Liga hinter die Militäroperation gestellt. Sie bereiten das Gipfeltreffen der Staatschefs vom Wochenende vor, bei dem auch Präsident Hadi erwartet wird. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 27.3.2015)

  • Der saudische Verteidigungsminister Mohammed Bin Salman (rechts) mit Innenminister Mohammed bin Nayef bei Beratungen in Riad am Donnerstag.
    foto: reuters

    Der saudische Verteidigungsminister Mohammed Bin Salman (rechts) mit Innenminister Mohammed bin Nayef bei Beratungen in Riad am Donnerstag.

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