Streit über US-Konvoi in Osteuropa: Säbelrasseln statt Solidarität

Kommentar26. März 2015, 17:30
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Zu militärischen Demonstrationen der Verbundenheit mit einem geeinten Europa würden auch entsprechende Töne der Diplomatie gehören

Den US-Soldaten, die derzeit in Panzern durch östliche Nato-Staaten rollen, wurde in Polen ein herzlicher Empfang bereitet. Der Konvoi gilt dort als Symbol der Einigkeit gegenüber der unberechenbaren Politik Russlands im Ukraine-Konflikt. Ein GI sagte angesichts der Begeisterung im polnischen Bialystok, er fühle sich wie ein Filmstar, und charakterisierte damit den Zweck der Übung: die Zurschaustellung amerikanischer Truppenpräsenz.

Diese aber kommt nicht überall so gut an. In Tschechien wurden Demonstrationen gegen den "Parádemarš" angekündigt - auch von einer Bürgerinitiative, die 2007 gegen den Aufbau eines US-Raketenabwehrsystems in Polen und Böhmen in Erscheinung trat. Der von Barack Obama stornierte Plan war von George W. Bush ins Leben gerufen worden. "New Europe" nannte man damals die postkommunistischen Staaten, die enger an Washington gebunden werden sollten. Nun ist es der republikanische Senator John McCain, der - in US-Vorwahlzeiten - dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Glaubwürdigkeit absprach, obwohl gerade Deutschland sich intensiv um eine politische Lösung im Ukraine-Konflikt bemüht.

Zu militärischen Demonstrationen der Verbundenheit mit einem geeinten Europa würden auch entsprechende Töne der Diplomatie gehören. Solche aber sind, mitten im Säbelrasseln zwischen Republikanern und Demokraten in Washington, kaum zu vernehmen. (Gerald Schubert, DER STANDARD, 27.3.2015)

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